Aktuelles Programm

Drei Mal im Jahr erscheint unser Veranstaltungsprogramm, das "Gelbe Info".

Gesprächsthemen des Meditationskreises:

 

 

2.2.0202: Mitgefühl & Großzügigkeit (TS)

 

Aus dem Artikel „Die acht Säulen der Freude“ von Noah Rasheta (Buddhismus Aktuell 2/21) lesen und besprechen wir je zwei Säulen.

 

26.1. + 23.2. + 30.3. + 27.4.02022: Tee & Gespräch

 

Während wir ein vorbereitetes Getränk (z. B. Tee) trinken, sprechen wir über unsere Erfahrungen mit dem Leben und dem Meditieren.

 

9.2.02022: Der Kokosmönch (UN)

 

Aus dem Buch „Stille, die aus dem Herzen kommt“ von Thich Nhat Hanh hören wir „Der Kokosmönch“ und sprechen darüber.

 

16.2.02022: Thich Nhat Hanh: Frage & Antwort (Video)

 

Auf einem Retreat in Deutschland beantwortete Thay die Frage, wie man sich gegen die Flut der schlechten Nachrichten schützen kann.

 

16.2.02022: Geführte Meditation (MF/SM)

16.3.02022: Geführte Meditation (MF/SM)

 

Die 2. Phase unserer Sitz-Meditation wird durch das Vorlesen kurzer Sätze ergänzt, die sich mit der Ein- & Ausatmung verknüpfen lassen.

 

2.3.02023: Die fünf Vergegenwärtigungen (MF)

 

Wir lesen u.a. die 4. Vergegenwärtigung: „Wir sind uns bewusst, dass Verstehen die eigentliche Grundlage der Liebe ist.“

 

16.3.02022: Achtfacher Pfad 3: Rede / Sprache (SM)

23.3.02022: Achtfacher Pfad 4: Handeln (SM)

 

Auf dem Hintergrund des „Achtfachen Pfades“ der Lehre des Buddha sprechen wir über die Pfade 3 („Rede / Sprache“) und 4 („Handeln“).

 

13.4.02021: Präsenz (MF)

 

„Unsere Verabredung mit dem Leben findet immer im gegenwärtigen Augenblick statt“ (Thich Nhat Hanh).

 

20.4.02022: Qigong: Die Acht Brokate (MF)

 

Wir praktizieren die Qigong-Sequenz „Die Acht Brokate“ (Mitmachen auch zu Hause am Bildschirm möglich).

 

 


Meditationskreis „Achtsamkeit in Oldenburg e.V“

Unser Meditationskreis trifft sich jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr im Umwelthaus Oldenburg (PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3; Zugang über den kleinen Innenhof auf der PFL-Rückseite). Wegen der Corona-Pandemie gilt Zurzeit (Stand 17.01.22) die „2G-Regel“. Einzelheiten werden vor Ort geklärt.

 

Eine digitale Teilnahme ist weiterhin möglich. Sie wird vom Umwelthaus aus „gehostet“. Auch eine Teilnahme an den Gesprächen ist damit möglich. Die Zugangsdaten sind hier auf der Webseite zu finden.

 

!! Achtung: Ein Passwort ist nötig (wird nach Anfrage zugemailt) !!

 

Für viele Abende sind die Gesprächsthemen vorbereitet; der letzte Mittwoch im Monat ist für offene Gespräche vorgesehen.



Vorankündigung:

Qigong im Schlossgarten

Ab 2. Mai 02022 findet - wie seit 01994 jedes Jahr - von 18.00 - 19.00 Uhr eine angeleitete und für alle Interessierte geeignete Qigong-Übestunde statt.


Mittwoch 9. März 02022; 19.30 Uhr Umwelthaus Oldenburg

Öffentliche Mitgliederversammlung

 

Nach den Formalitäten einer Mitgliederversammlung (Rückblick, Finanzbericht usw.) besprechen wir unsere Aktivitäten im Jahr 02022 (Wochenende in Schneverdingen, Watt-Wanderung, Geh-Medationen … ). Vereinsmitglieder erhalten eine Extra-Einladung; andere Interessierte sind herzlich willkommen.

Eine digitale Teilnahme (ZOOM) ist selbstverständlich möglich.


Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Bitte vormerken: Sonntag, 10. Juli 02022

Meditative Watt-Wanderung nach Minsener Oog

 

Ca. 11:45 ab Oldenburg; ca. 18.00 Uhr an Oldenburg.

Weitere Infos ab Ende April in unserer Netzseite bzw. im nächsten Gelben Info.


Sonntag, 13. März 02022 + Sonntag, 19. Juni 02022:

Geh-Meditation am Harren-Sperrwerk

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Nach den guten Erfahrungen im Herbst 02021 wollen wir diese Veranstaltung wiederholen. Wer mit dem Rad anreisen möchte, trifft sich um 14.00 Uhr am Umwelthaus; wer auf andere Weise oder direkt anreisen möchte, kommt bis 15.00 Uhr zum Parkplatz an der Straße vom Woldsee zur Woldlinie (Straße nach Petersfehn). Wir gehen dann die 150 m zum Haaren-Sperrwerk, von wo aus wir zu einer rund 60-minütigen Geh-Meditation auf der Deichanlage starten (ein kaum begangener, fester und z.T. gepflasterter Weg): Langsam, achtsam und schweigend. Anschließend laden einige Sitzbänke zum Austausch ein ...

Weitere Infos und Anmeldung siehe Netzseite. Anmeldung auch Mittwochs im Umwelthaus oder im ZOOM möglich. Bei Regenwetter werden wir uns im Umwelthaus zu einem Gespräch (mit Kaffee, Tee & Keksen) treffen.


Freitag 20. bis Sonntag 22. Mai 02022:

Achtsamkeitstage bei Schneverdingen

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

 

Wir hoffen, dass unser gemeinsames Achtsamkeits-Wochenende im Milarepa-Retreat-Zentrum am Westrand der Lüneburger Heide bei Schneverdingen an diesem Wochenende stattfinden kann. Das Treffen wird am Freitagnachmittag beginnen und bis Sonntag-Mittag dauern. Zelten wird ebenso möglich sein wie eine Übernachtung im Haus oder in nahen Hotels oder Herbergen. Der Anmelde-Flyer wird bald im Netz verfügbar sein. Vereinsmitglieder erhalten ihn im Februar mit der Einladung zur Mitgliederversammlung. 


Retreats in Plum Village (bei Bergerac, Südfrankreich) mit den Mönchen und Nonnen:

Es werden zwei große "In-Person-Retreats" stattfinden:

1.-22.6.02022: 21-Tage-Retreat - Feier 40 Jahre Plum Village

1.-29.7.02022: Internationales Sommer-Retreat


Als 2. Teil der Serie „Buddhistische Beiträge zur großen Transformation“ erschien der folgende Text von Manfred Folkers in der „Buddhismus aktuell“ (Ausgabe 1/02022):

Verbundenheit - Verantwortung - Fürsorge:

Die Bedeutung des einzelnen Menschen

Photo from Pixabay.com
Photo from Pixabay.com

 

Alles, was von irgendwelcher Reichweite sein soll, muss im Einzelnen beginnen und durch den Einzelnen verwirklicht werden. Es gibt keinen anderen Weg der Verwirklichung, es gibt keine Änderung der Institutionen oder der herrschenden Mentalität, es gibt keine wie auch immer geartete Besserung auf welchem auch immer in Betracht gezogenen Gebiete, wenn der Ansatzpunkt zu einer Klärung und zu einer allgemeinen Wandlung nicht in den Einzelnen verlegt wird.

 

(Jean Gebser: Abendländische Wandlung; Zürich 1943)

Die Menschheit befindet sich in einer bedrohlichen Phase, die sich auch im Jahr 2021 in vielen Bereichen gezeigt hat: Die Corona-Pandemie hat sich fortgesetzt. Es hat erneut verheerende Waldbrände in Australien, Russland, Südeuropa und den USA gegeben. Der Westen Deutschlands und Belgien sind von katastrophalen Überschwemmungen heimgesucht worden. Fast 40 Milliarden Tonnen Kohlendioxid sind in die Atmosphäre gelangt. Humusrückgang und regionaler Wassermangel haben sich beschleunigt. Das Artensterben hat zugenommen …

„Unser Planet ist kaputt!“, rief UN-Generalsekretär Antonio Guterres, als er im August 2021 den Bericht des Weltklimarates IPCC erläuterte: „Die Alarmglocken sind ohrenbetäubend!“ Dieser Bericht hat festgestellt, dass die globale Erwärmung und der Klimawandel samt Folgewirkungen eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen sind.

Von diesen Tatsachen sind weltweit alle Menschen und Prozesse auf unterschiedliche Weise betroffen. Dazu möchte ich zwei persönliche Erlebnisse schildern, die mich sehr berührt haben: Im August hatte ich die Gelegenheit, den Blüemlisalpgletscher im Berner Oberland zu betrachten. Im Sommer 1982 hatte ich dort schon einmal gestanden. Damals waren zwei riesige Eiszungen ins Tal geflossen. Jetzt – 39 Jahre später – waren sie komplett weggeschmolzen. Es sah aus, als ob dem berühmten Rolling-Stones-Mund die Zunge gefehlt hätte und die Zähne des Unterkiefers zu sehen wären. Später las ich das Buch „Ökodharma“ von David Loy, in dem er die Frage aufwirft: Ist es nicht bereits zu spät für eine große Transformation zur Rettung der Zivilisation? Wie gehen wir mit der Möglichkeit um, dass die Menschheit zu den 95 Prozent der Lebensformen zählen könnte, die in den nächsten Jahrzehnten oder Jahrhunderten verschwinden wird?

 

Verbundenheit

 

Derartige Überlegungen wahr und ernst zu nehmen und dabei nicht zu verzagen ist eine Kunst, die sich ohne eine klug durchdachte Geisteshaltung kaum meistern lässt. Es gibt zwar zahlreiche Menschen, die sich mit religiös oder ideologisch begründeten Überzeugungen stabilisieren können, aber viele finden in solchen Glaubenssystemen keinen Halt mehr. Hier bietet sich Buddhas Dharma als eine weltzugewandte Methode und Seinslehre an, die offen ist für wissenschaftliche Erkenntnisse und ohne Dogmen und esoterische Annahmen auskommt. Sie fordert jede und jeden auf, sich durch genaues Hinschauen ein eigenes Verständnis vom Leben zu bilden.

Buddhas Lehre schließt grundsätzliche Überlegungen ein. Sie regt dazu an, die Suche nach einem „eigenständigen Selbst“ einzustellen und der Erkenntnis Raum zu geben, dass wir permanent und restlos in diese Welt integriert sind. Auf allgemeiner Ebene drückt sie diese Auffassung mit Begriffen wie Intersein, wechselseitige Durchdringung und abhängiges Ent- und Bestehen aus und weiß sich dabei im Einklang mit der modernen Astro- und Quantenphysik. Auf der praktischen Ebene lässt sich diese existenzielle Verbundenheit beispielsweise im Miteinander, in der Hilfsbereitschaft und einem liebevollen Wir- und Mitgefühl erleben.

 

Verantwortung

 

Durch die Einsicht in die vollständige Einheit von Sein und Leben lässt sich nicht nur der Eindruck einer vermeintlichen individuellen Getrenntseins überwinden. Es ist darin auch der Auftrag enthalten, acht- und behutsam mit der Welt umzugehen. Wer seine Anwesenheit als Mensch als bewusste Teilnahme und Anteilnahme an der Entwicklung des Universums versteht, wird es für selbstverständlich halten, sich für das Ganze verantwortlich zu fühlen. Wer mit dieser Einstellung eine Dose in den Wald wirft, kann spüren, wie sie quasi den eigenen Kopf trifft.

Diese Verantwortung des einzelnen Menschen ist nicht delegierbar – nicht an andere, nicht an ein imaginiertes „höheres Wesen“, nicht an „die“ Gesellschaft. Es ist egoistisch und ignorant, gesellschaftliche Veränderungen zu erwarten, ohne selbst mitzuwirken. Die Gesellschaft als solche kann gar nicht handeln, denn sie hat keine eigenen Hände. Sie ist auf das Engagement ihrer Mitglieder angewiesen. Alle gemeinsamen Aktivitäten erfordern letztlich individuelle Taten. Der wichtigste Beitrag, den ein einzelner Mensch zur Transformation einer Gesellschaft beitragen kann, besteht darin, sich selbst zu transformieren.

Selbstverständlich gibt es Unterschiede. Wer viel verbraucht und es gewohnt ist, einen großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen, kann und sollte sich wesentlich mehr umstellen als eine Person, die mit wenig auskommt und nachhaltig lebt. Wer sich ökonomisch und politisch engagiert, hat andere und oft wirksamere Möglichkeiten zur Umgestaltung. Insbesondere in einer Demokratie müssen sich die Menschen von sich aus einzubringen, wenn sich strategisch und im Alltag etwas bewegen soll. Schließlich gilt es, freiwillig und rechtzeitig genügend zu ändern, bevor die Naturgesetze – über Hitze, Dürren, Überflutungen, Stürme, Pandemien– eine Art „Öko-Diktatur“ erzwingen, die dem Homo sapiens sapiens keine Sonderrolle mehr zugesteht.

 

Fürsorge

 

Die Krisen der gegenwärtigen Zivilisation sind aus dem Verlangen nach Macht und materiellen Werten entstanden – und aus deren systematischer Anwendung, indem Menschen im Wettbewerb miteinander ihren Besitz immer weiter vermehren. Menschen sind die Ursache der Probleme und gerade deshalb auch die Schlüssel zu deren Überwindung.

Die menschliche Verantwortung, Auswege aus unserem gemeinsamen Dilemma zu suchen, kann als Fürsorgepflicht beschrieben werden. Aus dem Blickwinkel des Dharma erweist sich dabei die individuelle Selbstfürsorge als eine Fürsorge für andere – und umgekehrt. Wer – so hat es der Buddha ausgedrückt – in aller Tiefe und Weite auf sich selbst achtet, achtet auf diese Weise auch auf alle anderen. Und wer in aller Tiefe und Weite auf das Ganze achtet, achtet auch auf sich selbst. Diese Praxis findet sich in modernen Slogans wieder: „Global denken – lokal handeln“ und „In sich selbst die ganze Welt entdecken“.

Mithilfe dieser Überzeugungen und indem Menschen die Aufgabe bejahen, sich am notwendigen Wandel zu beteiligen, lassen sich auf umfassende Weise Sinn und Zufriedenheit finden. Wer sich von der heute üblichen materiellen Orientierung befreit, öffnet sich nicht nur für eine persönliche und gesellschaftliche Transformation, sondern erlebt deren Früchte als heilende Hinwendung zu einem integren Leben in einer liebenswerten Welt.

 


Retreat mit Manfred Folkers im EIAB (Waldbröl); 15.-18.9.02022

Achtsame Transformation - Wege in eine Kultur des Genug

Angesichts wachsender Krisen wird immer öfter eine große Transformation angemahnt. Aber in welche Richtung soll sich dieser Wandel entwickeln?

Mit Orientierungen wie Zufriedenheit, Verbundenheit, Achtsamkeit und Mitgefühl wollen wir gemeinsam Wege in eine Kultur des Genug erarbeiten. Eine zentrale Rolle wird der von Thich Nhat Hanh beschriebene Zustand „Samtusta“ bilden: „You have enough - Du hast genug“. Auf diese Weise werden wir uns einem Leitgedanken seiner Sangha nähern: „Je mehr Du die Erde liebst, desto weniger möchtest Du nehmen, was Du nicht brauchst“.

 

Das Programm: Impuls-Vorträge, Austausch, Schweigezeiten, Qigong-Übungen, Erdberührungen und Geh-Meditationen.

 

Kurs-Nr. K2237-2; Infos: www.eiab.eu

 


Retreat mit den Mönchen und Nonnen des EIAB; 1.-6.8.02022

Zuversicht in widrigen Zeiten - Deutschsprachiges Sommer-Retreat

Kurs-Nr. K2231-1; Infos: www.eiab.eu


Mit den Mönchen und Nonnen des EIAB; 7.8.02022:

Tag der Achtsamkeit;

 

Kurs-Nr. K2231-2; Infos: www.eiab.eu


All we need is less

Corona, Buddha und andere Motive für eine Kultur des Genug

Noch wehren sich viele Menschen gegen die unbequeme Wahrheit, dass unsere Zivilisation auf einen Abgrund zusteuert. Die Corona-Pandemie ist nur ein Vorgeschmack, denn größere Krisen wie der Klimawandel und das Artensterben rücken näher. Sie entstehen aus dem zentralen Widerspruch unserer Zeit - dem Wachstumswahn auf einem endlichen Planeten. Dieses Dilemma lässt sich nur überwinden, wenn dessen Ursachen identifiziert worden sind.

 

Klar ist: Es waren Menschen, die diese Gesellschaftsform aufgebaut und mit ihren Motiven und Handlungen gestaltet haben. Es ist ihr „mehr haben wollen“, das sich zu einer Wachstumsdoktrin verfestigt hat. Es ist ihr gemeinsames und gleichzeitig trennendes Streben nach „mehr als andere haben wollen“, das sich nun als Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck zeigt. Und von den ökologisch und sozial schädlichen Folgen dieses Vorgehens lenken sie sich mit der Befürchtung ab, ein Abweichen von diesen Wegen und Prinzipien sei erst recht katastrophal.

 

Vom Wachstumssystem ist keine Umorientierung zu erwarten, denn es sieht sich ohne Alternative. Diese Wirtschaftsform kann sich eine Ökonomie ohne Expansion und Konsumsteigerungen nicht einmal vorstellen. Bei ihrer Jagd nach Profit und Marktmacht ignoriert sie alle Warnungen und planetaren Grenzen. Ihr ist nie etwas genug. Statt Befriedigung zu finden sucht sie ständig nach Lücken und neuen Geschäftsfeldern oder wirbt für neue Wünsche und Trends.

 

Auswege aus dieser Sackgasse können deshalb nur von den einzelnen Menschen gefunden und beschritten werden. Als Teil des Problems sind sie auch Teil der Lösung. Solange sie den ökologischen Fußabdruck übertreten, sind sie kleine Motoren eines unheilsamen Prozesses. Sobald sie ihr Handeln an einer enkeltauglichen Zukunft ausrichten, arbeiten sie für eine heilsame Perspektive.

 

Die Corona-Krise weist auf die größte Hürde dieses Wandels hin. Die meisten Menschen sind zwar zu kurzfristigen Einschränkungen bereit, wenn sie danach zu den alten Gewohnheiten zurückkehren dürfen. Ein nachhaltiger Umschwung benötigt jedoch ihren festen Willen, die bisher ins Mehrungswesen gesteckte Kraft dauerhaft für eine Transformation einzusetzen. Im Idealfall sollte niemand zu einem Richtungswechsel gezwungen werden, sondern möglichst alle sollten diese Wende aus Überzeugung anstreben oder aus vollem Herzen wünschen.

 

Neue Motive braucht das Land, braucht die Wirtschaft, braucht jeder Mensch. Um sich vom Drang nach Mehrung zu befreien, bieten Ziele wie „genug ist genug“ und „all we need is less“ quantitativ überprüfbare Beweggründe an. Diese von Behutsamkeit durchdrungene Motivation ist flexibel und verhandelbar. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, weil die Erde groß, die Menschheit bunt und das „zu viel“ extrem ungleich verteilt ist.

Schwieriger auszutarieren ist der Inhalt der Motive für eine Kultur des Genug, da sie auf individuellen Erfahrungen, Einsichten und Entscheidungen beruhen. Wer sich freiwillig, überzeugt und rechtzeitig für eine soziale und ökologische Wende engagieren möchte, sollte allerdings offen sein für Anregungen aller Art.

 

Interessant und hilfreich sind zum Beispiel einige Überlegungen des Buddha, der vor 2.500 Jahren mit „Gier, Aggression und Verblendung“ ausgerechnet jene Antriebskräfte als Ursachen von menschlichem Leid identifiziert hat, die sich heutzutage als Wachstumsprinzip, Konkurrenzdenken und Folgenleugnung zu einer Art „Gier-Wirtschaft“ gemausert haben. Außerdem hat der Buddha einige einfache Praktiken für eine ausgewogene Lebensgestaltung vorgeschlagen.

 

Mit der Meditation empfiehlt er eine Übung, sich ganz und in Ruhe bewusst der Gegenwart zuzuwenden, um das Dasein als ständige Bewegung und die eigene Anwesenheit als existenzielle Verbundenheit mit dem Universum zu erleben. Wer sich derart willkommen weiß in dieser Welt, wird verantwortlich handeln und ohne Verzichtsgefühle einen - schon vom Buddha empfohlenen - „Mittleren Weg“ beherzigen, weil von einer grundsätzlichen Zufriedenheit aus gesehen „weniger“ eigentlich nur bedeutet: „anders“. Mit dieser Einstellung lässt sich auch in begüterten Regionen ein maßvolles Handeln verwirklichen, das sowohl Armut und Hunger als auch Überfluss und Verschwendung vermeidet.

 

Während der Corona-Krise lässt sich beobachten, welche Maßnahmen nötig und möglich sind, um das Leben von Menschen zu retten, die nah und sichtbar sind. Diese Anteilnahme wird durch die buddhistische „Liebende-Güte-Meditation“ auf alle lebenden und die noch nicht geborenen Wesen ausgedehnt, ohne auf Dürren, Fluten, Missernten, Epidemien und ähnliche Katastrophen zu warten. Dieses umfassende Mitgefühl führt nicht nur zu einem Protest gegen die Zerstörung der Mitwelt, sondern auch zu einer Aufforderung an die Politik, neben dem ganzen (Alltags-) Leben immer auch das Leben als Ganzes im Blick zu behalten, also global und enkeltauglich zu denken und lokal zu handeln.

 

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Postwachstums-Gesellschaft aufbauen, in der soziale Absicherung, Gesundheit, Bildung, Kultur usw. nicht mehr vom Mehrungswesen abhängig sind. Mit diesem Konzept entsteht eine Lebensweise, die von Nähe und Fürsorge bestimmt wird und sich durch Teilen und Teilhabe, Haltbarkeit und Reparieren, Recycling und Naturschutz, Genügsamkeit und Grundsicherung, Gemeinwohl und Genossenschaften usw. auszeichnet.

 

Zentrale Kraftquelle für die kreative Überwindung des Wachstumswahns auf unserem endlichen Planeten und für die Gestaltung einer Kultur des Genug ist jedoch ein Ziel, das der Buddha dem Leben gab und ihm den Ehrentitel „der Erwachte“ einbrachte: „Wake up - wach auf!“, meinte er. „Schau Dir die Welt hier und jetzt unvoreingenommen und achtsam an. Und engagiere Dich.“

 

Beitrag von Manfred Folkers für einen Podcast des oekom-Verlags

zum Buch:

 

„All you need is less" Manfred Folkers / Niko Paech

Die Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

(oekom verlag; 240 Seiten; 20 €; ISBN: 978-3-96238-058-8; März 02020)

„Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Sie sind die zentralen Pfeiler der modernen-Suffizienz-Bewegung, aber auch der Lehre des Buddha. Die Autoren loten aus, welche Potenziale diese Konzepte enthalten, um den Wachstumspfad zu verlassen und eine Kultur des Genug zu entwickeln.


Download
Program 1. Quartal Achtsamkeit-in-OL 2022
Hier können Sie das Programm herunterladen.
Gelbinfo Jan bis Apr 22.pdf
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