Aktuelles Programm

Drei Mal im Jahr erscheint unser Veranstaltungsprogramm, das "Gelbe Info".


Meditationskreis „Achtsamkeit in Oldenburg e.V“

Normalerweise trifft sich unser Meditationskreis jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr im Umwelthaus Oldenburg (PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3; Zugang über den kleinen Innenhof auf der PFL-Rückseite). Aber …

 

… während der Corona-Krise ist das nicht so ohne Weiteres möglich. Zurzeit (Stand 09. 09. 02020) treffen wir uns in einer „hybriden Sangha“. Will meinen: Bis zu acht Personen treffen sich physisch im Umwelthaus (Anmeldung bis Montagabend per Mail an manfred-sagt-moinmoin@t-online.de); die anderen können sich per „ZOOM“ einwählen. Eine Teilnahme an den Gesprächen ist damit möglich. Die Zugangsdaten sind in unserer Netzseite www.achtsamkeit-in-ol.de zu finden, werden aber auf Wunsch gern zugeschickt.

 

!!Achtung: Bald ist für alle ein Passwort nötig !! (Bitte marquardtstephaniej@gmail.com schreiben) 

 

Für viele Abende sind die Themen für die Gespräche bereits gefunden; für weitere Abende werden sie kurzfristig ausgewählt.

 

Wenn möglich, werden Texte für das Gespräch vorab per Mail an die Mitglieder und Interessierte verschickt. Wer diese Info nicht erhalten möchte, soll sich bitte melden.



Gesprächsthemen des Meditationskreises:

 

23.9.02020: Wie ein Blatt haben wir viele Stiele

 

Aus dem Buch „Ich pflanze ein Lächeln“ von Thich Nhat Hanh lesen und besprechen wir den Text „Wie ein Blatt habe ich viele Stiele“.

 

14.10.02020: Die Sonne, mein Herz

 

Aus dem Buch „Ich pflanze ein Lächeln“ von Thich Nhat Hanh lesen und besprechen wir den Text „Die Sonne, mein Herz“.

 

4.11.02020: Die Kunst liebevoller Rede

 

Aus dem Buch „Schritte der Achtsamkeit“ von Thich Nhat Hanh lesen und besprechen wir den Text „Die Kunst liebevoller Rede“.

 

11.11.02020: Genau hinsehen

 

Aus dem Buch „Ich pflanze ein Lächeln“ von Thich Nhat Hanh lesen und besprechen wir den Text „Genau hinsehen“.

 

2.12.02020: Angst vor dem Fremden

 

Aus dem Buch „Schritte der Achtsamkeit“ von Thich Nhat Hanh lesen und besprechen wir den Text „Angst vor dem Fremden“.

 

9.12.02020: Die Fünf Kräfte

 

Wir lesen und sprechen über einen kurzen Text von Thich Nhat Hanh mit einem Focus auf die erste der Kräfte: Glaube oder Vertrauen.

 

16.12.02020: Alleinsein in der Welt

 

Wir lesen und besprechen einen kurzen Abschnitt aus dem Buch „Die Kunst, mit sich allein zu sein“ von Stephen Batchelor.

 

23.12.02020: Die fünf Achtsamkeitsübungen

 

Die buddhistischen Lebensregeln (Silas) wurden von der Sangha von Thich Nhat Hanh als „Achtsamkeitsübungen“ ausformuliert. Wir werden sie lesen und besprechen.

 

30.12.02020: Die drei Erdberührungen

 

In einer Liegemeditation verbinden wir unseren Geist mit der Erde, indem wir drei kurze Texte hören, die dies unterstützen.

 


Diese beiden Texte aus dem Buch „Schritte der Achtsamkeit“ von Thich Nhat Hanh sind Grundlage für die Gespräche nach der Meditation.

 

Die Kunst liebevoller Rede (am 4.11.02020)

 

Wenn du Kummer hast und ein anderer Mensch lädt dich ein, ihm dein Herz auszuschütten, musst auch du die Kunst der ‚rechten‘ Rede beherrschen. Du hast das Recht, ihm alles zu sagen, vorausgesetzt, du tust es ruhig, liebevoll und in Achtsamkeit. In dem Augenblick, wo Irritation oder Wut in dir aufsteigen, solltest du das Gespräch abbrechen. „Mein Liebes, ich kann heute nicht weitermachen. Ich muss erst wieder zur Ruhe kommen. Gib mir bitte morgen wieder eine Chance.“ Dann geh hinaus und praktiziere achtsames Gehen und achtsames Atmen, um dich zu beruhigen. Denn es ist nicht ratsam zu sprechen, wenn du innerlich aufgewühlt bist. Das, was du in solch einem Zustand sagst, kann zerstörerisch wirken.

Auf einem Retreat begegnete ich einmal einer jungen Frau, die als neun- oder zehnjähriges Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht worden war. Wir saßen im kleineren Kreis zusammen und übten tiefes Zuhören, damit sie ihr Herz ausschütten konnte. Wir saßen voller Achtsamkeit und bemühten uns, ihr tief zuzuhören. Aber ihr Leiden war so groß, dass sie nach kurzer Zeit nicht weitersprechen konnte. So ging es an zwei oder drei Tagen. Wenn der Schmerz sie überwältigte, blieben wir ruhig sitzen und schwiegen. Schließlich gelang es ihr zu sprechen. Unser tiefes Zuhören hatte es ihr möglich gemacht.

Fühle dich also ermutigt, dein Herz auszuschütten, wenn es dir schlechtgeht, und scheu dich nicht, anderen deinen Kummer zu offenbaren. Tue das aber in achtsamer Rede. Sobald du spürst, dass Wut aufsteigt, sprich nicht weiter. Bitte um ein neues Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt.

 

Angst vor dem Fremden (am 2.12.02020)

 

 

Viele Menschen fürchten bei der Berührung mit dem Fremden ihre Identität zu verlieren, weil sie sich der Tatsache nicht bewusst sind, dass das Selbst nur aus Nicht-Selbst-Elementen besteht. Nehmen wir die Bevölkerung von Frankreich als Beispiel. Wenn wir sie analysieren und tief schauen, erkennen wir, dass sie sich aus vielen Elementen zusammensetzt, die nicht-französisch sind. Genauso ist es mit der Kultur, mit allem. Wir sollten es lernen, uns durch andere Nicht-Selbst-Elemente zu ‚bereichern‘ und zu befruchten. Auch der Buddhismus besteht aus nicht-buddhistischen Elementen, das wissen wir sehr wohl. Deshalb sollten wir unser unterscheidendes Denken aufgeben. Wenn es keinen Sonnenschein, keine Wolken, keine Erde gäbe, gäbe es auch keine Rose. Darum müssen wir dem Sonnenschein, der Wolke, der Erde dankbar sein, dass es sie gibt, denn nur durch sie bekommt die herrliche Rose ihre Lebenskraft. Wenn Menschen verschiedener spiritueller Traditionen zusammenkommen, verliert niemand. Das Miteinander-Kommunizieren bringt allen nur Gewinn.


Noch bis zum 21. September 02020 jeden Montag von 18.00 - 19.00 Uhr:

Qigong im Schlossgarten

Hinter dem Tropenhaus werden leicht erlernbare Qigong-Bewegungen geübt.


All we need is less

Corona, Buddha und andere Motive für eine Kultur des Genug

Noch wehren sich viele Menschen gegen die unbequeme Wahrheit, dass unsere Zivilisation auf einen Abgrund zusteuert. Die Corona-Pandemie ist nur ein Vorgeschmack, denn größere Krisen wie der Klimawandel und das Artensterben rücken näher. Sie entstehen aus dem zentralen Widerspruch unserer Zeit - dem Wachstumswahn auf einem endlichen Planeten. Dieses Dilemma lässt sich nur überwinden, wenn dessen Ursachen identifiziert worden sind.

 

Klar ist: Es waren Menschen, die diese Gesellschaftsform aufgebaut und mit ihren Motiven und Handlungen gestaltet haben. Es ist ihr „mehr haben wollen“, das sich zu einer Wachstumsdoktrin verfestigt hat. Es ist ihr gemeinsames und gleichzeitig trennendes Streben nach „mehr als andere haben wollen“, das sich nun als Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck zeigt. Und von den ökologisch und sozial schädlichen Folgen dieses Vorgehens lenken sie sich mit der Befürchtung ab, ein Abweichen von diesen Wegen und Prinzipien sei erst recht katastrophal.

 

Vom Wachstumssystem ist keine Umorientierung zu erwarten, denn es sieht sich ohne Alternative. Diese Wirtschaftsform kann sich eine Ökonomie ohne Expansion und Konsumsteigerungen nicht einmal vorstellen. Bei ihrer Jagd nach Profit und Marktmacht ignoriert sie alle Warnungen und planetaren Grenzen. Ihr ist nie etwas genug. Statt Befriedigung zu finden sucht sie ständig nach Lücken und neuen Geschäftsfeldern oder wirbt für neue Wünsche und Trends.

 

Auswege aus dieser Sackgasse können deshalb nur von den einzelnen Menschen gefunden und beschritten werden. Als Teil des Problems sind sie auch Teil der Lösung. Solange sie den ökologischen Fußabdruck übertreten, sind sie kleine Motoren eines unheilsamen Prozesses. Sobald sie ihr Handeln an einer enkeltauglichen Zukunft ausrichten, arbeiten sie für eine heilsame Perspektive.

 

Die Corona-Krise weist auf die größte Hürde dieses Wandels hin. Die meisten Menschen sind zwar zu kurzfristigen Einschränkungen bereit, wenn sie danach zu den alten Gewohnheiten zurückkehren dürfen. Ein nachhaltiger Umschwung benötigt jedoch ihren festen Willen, die bisher ins Mehrungswesen gesteckte Kraft dauerhaft für eine Transformation einzusetzen. Im Idealfall sollte niemand zu einem Richtungswechsel gezwungen werden, sondern möglichst alle sollten diese Wende aus Überzeugung anstreben oder aus vollem Herzen wünschen.

 

Neue Motive braucht das Land, braucht die Wirtschaft, braucht jeder Mensch. Um sich vom Drang nach Mehrung zu befreien, bieten Ziele wie „genug ist genug“ und „all we need is less“ quantitativ überprüfbare Beweggründe an. Diese von Behutsamkeit durchdrungene Motivation ist flexibel und verhandelbar. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, weil die Erde groß, die Menschheit bunt und das „zu viel“ extrem ungleich verteilt ist.

Schwieriger auszutarieren ist der Inhalt der Motive für eine Kultur des Genug, da sie auf individuellen Erfahrungen, Einsichten und Entscheidungen beruhen. Wer sich freiwillig, überzeugt und rechtzeitig für eine soziale und ökologische Wende engagieren möchte, sollte allerdings offen sein für Anregungen aller Art.

 

Interessant und hilfreich sind zum Beispiel einige Überlegungen des Buddha, der vor 2.500 Jahren mit „Gier, Aggression und Verblendung“ ausgerechnet jene Antriebskräfte als Ursachen von menschlichem Leid identifiziert hat, die sich heutzutage als Wachstumsprinzip, Konkurrenzdenken und Folgenleugnung zu einer Art „Gier-Wirtschaft“ gemausert haben. Außerdem hat der Buddha einige einfache Praktiken für eine ausgewogene Lebensgestaltung vorgeschlagen.

 

Mit der Meditation empfiehlt er eine Übung, sich ganz und in Ruhe bewusst der Gegenwart zuzuwenden, um das Dasein als ständige Bewegung und die eigene Anwesenheit als existenzielle Verbundenheit mit dem Universum zu erleben. Wer sich derart willkommen weiß in dieser Welt, wird verantwortlich handeln und ohne Verzichtsgefühle einen - schon vom Buddha empfohlenen - „Mittleren Weg“ beherzigen, weil von einer grundsätzlichen Zufriedenheit aus gesehen „weniger“ eigentlich nur bedeutet: „anders“. Mit dieser Einstellung lässt sich auch in begüterten Regionen ein maßvolles Handeln verwirklichen, das sowohl Armut und Hunger als auch Überfluss und Verschwendung vermeidet.

 

Während der Corona-Krise lässt sich beobachten, welche Maßnahmen nötig und möglich sind, um das Leben von Menschen zu retten, die nah und sichtbar sind. Diese Anteilnahme wird durch die buddhistische „Liebende-Güte-Meditation“ auf alle lebenden und die noch nicht geborenen Wesen ausgedehnt, ohne auf Dürren, Fluten, Missernten, Epidemien und ähnliche Katastrophen zu warten. Dieses umfassende Mitgefühl führt nicht nur zu einem Protest gegen die Zerstörung der Mitwelt, sondern auch zu einer Aufforderung an die Politik, neben dem ganzen (Alltags-) Leben immer auch das Leben als Ganzes im Blick zu behalten, also global und enkeltauglich zu denken und lokal zu handeln.

 

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Postwachstums-Gesellschaft aufbauen, in der soziale Absicherung, Gesundheit, Bildung, Kultur usw. nicht mehr vom Mehrungswesen abhängig sind. Mit diesem Konzept entsteht eine Lebensweise, die von Nähe und Fürsorge bestimmt wird und sich durch Teilen und Teilhabe, Haltbarkeit und Reparieren, Recycling und Naturschutz, Genügsamkeit und Grundsicherung, Gemeinwohl und Genossenschaften usw. auszeichnet.

 

Zentrale Kraftquelle für die kreative Überwindung des Wachstumswahns auf unserem endlichen Planeten und für die Gestaltung einer Kultur des Genug ist jedoch ein Ziel, das der Buddha dem Leben gab und ihm den Ehrentitel „der Erwachte“ einbrachte: „Wake up - wach auf!“, meinte er. „Schau Dir die Welt hier und jetzt unvoreingenommen und achtsam an. Und engagiere Dich.“

 

Beitrag von Manfred Folkers für einen Podcast des oekom-Verlags

zum Buch:

 

„All you need is less" Manfred Folkers / Niko Paech

Die Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

(oekom verlag; 240 Seiten; 20 €; ISBN: 978-3-96238-058-8; März 02020)

„Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Sie sind die zentralen Pfeiler der modernen-Suffizienz-Bewegung, aber auch der Lehre des Buddha. Die Autoren loten aus, welche Potenziale diese Konzepte enthalten, um den Wachstumspfad zu verlassen und eine Kultur des Genug zu entwickeln.


Montagabend, 9. November 02020; VHS Oldenburg (Karlstraße):

All we need is less - und andere Motive für eine Kultur des Genug

(Vortrag und Diskussion) (Kurs-Nr. 20BO 11047; Anmeldung erforderlich)

 Klimawandel, Artensterben, soziale Ungleichheit und die Corona-Krise sind Ergebnisse des Wachstums-Wahns auf einem endlichen Planeten. Um diesen Widerspruch zu überwinden, plädieren der Ökonom Niko Paech und der Buddhist Manfred Folkers (Autoren des Buches „All you need is less“; oekom-Verlag. 2020) für eine Rückkehr zum „menschlichen Maß“ (E. F. Schumacher, 1973) und eine von enkeltauglichen Motiven inspirierte Kultur des Genug.


Download
Program 3. Quartal Achtsamkeit-in-OL 2020
Hier können Sie das Programm herunterladen.
Gelbinfo Sept bis Dez 2020.docx.pdf
Adobe Acrobat Dokument 399.6 KB