Aktuelles Programm

Drei Mal im Jahr erscheint unser Veranstaltungsprogramm, das "Gelbe Info".


Meditationskreis „Achtsamkeit in Oldenburg e.V“

 

Normalerweise trifft sich unser Meditationskreis jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr im Umwelthaus Oldenburg (PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3; Zugang über den kleinen Innenhof auf der PFL-Rückseite). Aber …

 

… während der Corona-Krise ist das nicht so ohne Weiteres möglich. Zurzeit (Stand . 10.1.02021) treffen wir uns nur digital. Zwei Personen treffen sich als "Host" im Umwelthaus; alle anderen können sich per "ZOOM" einwählen. Eine Teilnahme an den Gesprächen ist damit möglich. Die Zugangsdaten sind in unserer Netzseite www.achtsamkeit-in-ol.de zu finden, werden aber auf Wunsch gern zugeschickt.

 

!!Achtung: Ein Passwort ist nötig !! (wird auf Wunsch zugemailt) !! 

 

Für viele Abende sind die Themen für die Gespräche bereits gefunden; für weitere Abende werden sie kurzfristig ausgewählt.

 

!! Falls sich die Rahmenbedingungen ändern und eine physische Teilnahme (im Sommer 02020 galt das für 8 Personen) im Umwelthaus möglich ist, wird das auf unserer Netzseite veröffentlicht.

 



Gesprächsthemen des Meditationskreises:

 

13.1.02021: „Es brennt! Es brennt!“ (SM)

 

Wir schauen uns ein Video eines Vortrags in Plum Village an, in dem Thich Nhat Hanh und ein Hund wichtige Rollen spielen.

 

20.1.02021: Zwei mangelhafte Backsteine (UN)

 

Aus dem Buch „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm lesen wir die Kurz-Geschichte „Zwei mangelhafte Backsteine“.

 

27.1. + 24.2. + 31.3. + 28.4. 02021: Tee & Gespräch

 

Während wir ein vorbereitetes Getränk (z.B. Tee) trinken, sprechen wir über unsere Erfahrungen mit dem Leben und dem Meditieren.

 

3.2.02021: Die 16 Übungen des bewussten Atmens (MF & SM)

 

Auf Grundlage eines Textes aus dem Buch „Das Sutra des bewussten Atmens“ von Thich Nhat Hanh sprechen wir über Atemübungen.

 

10.2.02021: Intersein-Sangha - Tiêp-Hiên-Orden (MF & SM)

 

Die weltweite Gemeinschaft der Freundinnen und Freunde von Plum Village und Thich Nhat Hanh ist auch organisatorisch verbunden.

 

17.2.02021: Gibt es einen Gott? (TSt)

 

In seinem Buch „Kurze Antworten auf große Fragen“ hat sich Stephen Hawking einige Gedanken über Gott und die Welt gemacht.

 

3.3.02021: Entspannen und Lächeln (MF)

 

Einen Text hörend genießen wir liegend eine Entspannungsübung.

 

10.3.02021: Künstliche Intelligenz = ‘weises Wesen‘? (TSt)

 

Auf Grundlage eines Textes in der ZEIT (23.12.20) sprechen wir über den Dialog eines Forschers mit einem Computer (‘Weises Wesen‘).

 

24.3.02021: Fünf Wege, Ärger zu beenden (MF)

 

Wir lesen und besprechen das „Sutra über die fünf Wege, dem Ärger ein Ende zu bereiten“.

 

7.4.02021: Entspannungsübung (SM)

 

Einen Text hörend genießen wir liegend eine Entspannungsübung.

 

21.4.02021: Die fünf Achtsamkeitsübungen (MF)

 

Wir besprechen die buddhistischen Lebensregeln (Silas) in einer von der Plum-Village-Sangha ausformulierten Version.

 

 


Ab 3. Mai 02021 jeden Montag von 18.00 - 19.00 Uhr:

Qigong im Schlossgarten

Hinter dem Tropenhaus werden leicht erlernbare Qigong-Bewegungen geübt.


Bitte vormerken: Sonntag 18.Juli 02021:

Meditative Watt-Wanderung nach Minsener Oog

 

9.00 Uhr ab Oldenburg; vor 16.00 Uhr an Oldenburg

Weitere Infos ab Ende April in unserer Netzseite.

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Eine offene Gemeinschaft

 

Mai 1993. Von weit her strömen Menschen in das städtische Kulturzentrum Oldenburgs, um den vietnamesischen Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh sprechen zu hören. Inspiriert von seinen Ideen über den

Zusammenhang von innerem und äußerem Frieden und von seinem Plädoyer für ein achtsames Leben, gründet sich wenig später der gemeinnützige Verein „Achtsamkeit in Oldenburg“. 2020 feierte die Gemeinschaft ihr 25-jähriges Bestehen. Ein Porträt von Manfred Folkers, der von Anfang an dabei ist. 

 

 

 

 

„Achtsamkeit in Oldenburg“ – so natürlich der Name zum Zeitpunkt der Gründung auftauchte, so oft sorgt er für Irritationen. Ist denn der Meditations- und Gesprächskreis nicht buddhistisch? In der Tat haben wir mehrere Besuche von Thich Nhat Hanh in Oldenburg organisiert. Auch sitzt eine kleine goldene Buddha-Figur bei allen unseren Treffen mit dabei. Dennoch verstehen wir unsere Angebote als überkonfessionell und offen für alle. Voraussetzung ist das Interesse an der ausführlichen stillen Meditation, dem langsamen Gehen und dem Schweigen vor unseren Gesprächsrunden.

 

Wichtig ist uns der Austausch auf Augenhöhe – Dharma-Vorträge oder gar Belehrungen gibt es nicht. Nicht die Vermittlung von Wissen steht im Vordergrund, sondern das unaufgeregte Teilen persönlicher Kenntnisse und Überlegungen. Schließlich können ausnahmslos alle Anwesenden auf umfangreiche Erfahrungen mit dem Leben zurückgreifen. Wer akademisch orientiert oder therapeutisch interessiert ist, mag mitunter etwas Geduld brauchen, um sich auf diese Art der Kommunikation einzulassen. Die Anwesenden wählen Gesprächsthemen aus und bereiten sie vor. Als Impuls genügen ein Kurzvortrag oder eine Fragestellung. Wer spricht, wird niemals durch andere unterbrochen. „Umgang mit Ärger“, „Entwicklung von Mitgefühl“, „Selbstwirksamkeit“ – mittlerweile haben wir Hunderte von Themen aus allen Lebensbereichen besprochen, zum Teil mehrfach. Unser Austausch ist betont alltags- und anwendungsbezogen, unterstützt durch die sehr flache Hierarchie. Eine spirituelle Leitung gibt es nicht. Einige Mitglieder unserer Gemeinschaft gehören zur Intersein-Sangha von Thich Nhat Hanh, andere meditieren gelegentlich mit Zen-Gruppen, wieder andere haben Kontakt zum Tibetischen Zentrum Hamburg, viele sind völlig ungebunden oder auch christlich verankert.

 

Kein Missionieren

 

Innerhalb unserer Begegnungen und auch nach außen gibt es keinerlei Bestrebungen, andere zu überzeugen oder gar zu missionieren. Alle möchten voneinander lernen und freuen sich, wenn sie neue Gedanken und erprobte Anregungen mit nach Hause nehmen können. Entsprechend ist unser Meditations- und Gesprächskreis auch schon mal als „Repair-Meeting“ bezeichnet worden – Fehlfunktionen des Geistes wie Unruhe, Zweifel, Verdrängung und Verblendung können hier „repariert“ werden, indem wir miteinander anhalten und genau hinschauen.

 

Deshalb ist die Frage „buddhistisch oder nicht?“ auch  nachrangig. Zwar ist jeder Mensch ein potentieller Buddha. Viel wichtiger ist jedoch die Fähigkeit zum Handeln. Ohne festgelegte Konzepte bemühen sich alle Anwesenden um ihre eigene Entwicklung. Die ethischen und persönlichen Einstellungen, an denen sie arbeiten, gleichen oft denen, die sich aus dem Dharma ergeben, lassen sich aber eben auch ganz anders begründen. Eine originär buddhistische Einsicht, die die Deutsche Buddhistische Union in ihr Bekenntnis aufgenommen hat („Alles ist ohne eigenständiges Selbst“) taucht jedoch immer wieder auf – allerdings in der konstruktiven Umformulierung von Thich Nhat Hanh:

„Leer von einem eigenständigen Selbst zu sein bedeutet, erfüllt zu sein von allem.“  Wer das beherzigt, kann die Verbundenheit mit der Welt erleben und als unerschöpfliche Kraftquelle nutzen.

 

Moderne Umweltbewegungen geben Impulse

 

Selten wird im Oldenburger Achtsamkeitskreis über Religionen oder asiatisch-buddhistische Traditionen gesprochen. Beliebter sind Mit- und Umweltthemen und die Zukunft der Menschheit. Wichtige Impulse gehen von modernen Umweltbewegungen aus: Fridays for Future, Extinction Rebellion, die Entfaltung einer Kultur des Genug.

 

Zur Offenheit der Gemeinschaft gehört, dass der Verein keine eigenen Räume hat, sondern sich im Umwelthaus Oldenburg trifft. Dessen Räume werden nicht nur von Umweltgruppen, sondern auch von einer Meditationsgruppe der DBU-Mitgliedsgemeinschaft „Zen-Kreis Sangen Kai – Meeresspiegel Zendo“ genutzt. Unsere Meditationen, also das bewusste Üben der eigenen Präsenz und eines tiefen Betrachtens des Ist-Zustands, finden also nicht als Rückzug statt, sondern an einem Ort, von dem viele zukunftsorientierte und heilsame Aktivitäten ausgehen.

 

Sich einbinden in vielfältige Angebote

 

Wer bei uns mitmacht, erfreut sich in der Regel auch an anderen Angeboten. Populär sind die Übungsstunden „Qigong im Schlossgarten“. Seit fast 30 Jahren versammeln sich von Mai bis September jeden Montag rund 40 Interessierte, um sich unter Anleitung achtsam zu bewegen und die eigene Atmung zu spüren und zu vertiefen. Einmal im Jahr findet eine meditative Watt-Wanderung zur Nordseeinsel Minsener Oog statt – eine wiederkehrende Erfahrung im realen Erleben von Stille und offener Weite. Hin und wieder trifft sich in Oldenburg auch eine Dharma-Gruppe, um ein ausgewähltes Thema zu vertiefen. Im Zwei-Jahres-Rhythmus gibt es ein Achtsamkeitswochenende in der Lüneburger Heide – mit Gehmeditationen im Wald und auf den Wiesen. Viele unserer Mitglieder haben schon an Retreats oder Seminaren in Zentren teilgenommen, die von Thich Nhat Hanh gegründet wurden, also in Plum-Village-Zentrum in Frankreich oder im Europäischen Institut für angewandten Buddhismus (EIAB) in Waldbröl.

In Kooperation mit der Zen-Gemeinschaft Sangen Kai beteiligt sich unser Verein an den Vorhaben des Arbeitskreises Religionen in Oldenburg (AK-RiO). Während der Covid-19-Pandemie haben wir uns zu einer 'hybriden Sangha' entwickelt: Einige treffen sich physisch; andere sind virtuell dabei.

 

Diese Aktivitäten dienen den Mitgliedern des Achtsamkeitskreises als Rückenstärkung für ihr Engagement in sozialen, kulturellen und ökologischen Bereichen der Gesellschaft. Es gibt Kontakte zu Nachhaltigkeitsprojekten der Universität Oldenburg und zu verschiedenen For-Future-Initiativen. Es gab eine Exkursion ins Öko-Dorf SiebenLinden. Geplant ist ein Ausflug in den Lebensgarten Steyerberg, um die dortige Choka Sangha zu besuchen. Einzelne Mitglieder sind in der Migrationshilfe aktiv, unterstützen Tibet-Initiativen oder sind im Welt-Laden des ökumenischen Zentrums tätig. Und manche suchen ganz einfach Kraft für ihren Familienalltag oder das Projekt, in dem sie derzeit wohnen oder arbeiten.

 

So ist der Buddhismus heute integriert

 

In unseren Gesprächsrunden werden Thich Nhat Hanh, Stephen Batchelor, Ayya Khema, Tenzin Palmo und der Dalai Lama häufig zitiert. Auch die Begriffe Buddha, Dharma und Sangha sind allen geläufig. Unsere Meditationspraxis hat ohnehin buddhistische Wurzeln.  Formelle Verbindungen zu buddhistischen Schulen und Zentren gibt es jedoch nicht; auch die Vereinssatzung erwähnt den Buddhismus nur am Rande. Insofern ist unsere Gemeinschaft ein Beispiel dafür, wie sehr buddhistische Gedanken und Praktiken in die heutige Gesellschaft integriert sind, ohne dass ein direkter Bezug zum Dharma hergestellt wird – und wie umgekehrt viele Menschen buddhistisch denken und sich entsprechend verhalten, ohne zu wissen oder es für wichtig zu halten, dass es buddhistisch ist oder so interpretiert werden kann.

 

In einer offen angelegten Sangha zeigt sich, wie sehr dies der Buddha-Lehre und dem Wesen des Dharma entspricht. Zwar lässt sich Buddhas Lehre mit Konzepten füllen und in eine Religion verwandeln, doch ihr Mittelpunkt bleibt die eigene Erfahrung. Als eine weltzugewandte Seinslehre kann sie deshalb säkulare Grundlage einer Ethik für das 21. Jahrhundert sein. Die Praxis-Angebote des Dharma (Anhalten, Innenschau, Mitgefühl, Gleichmut  und vieles mehr) und die Methoden ihrer Umsetzung (Meditation, Achtsamkeit, Entschleunigung, gewaltfreie Kommunikation, Mediation, achtsamkeitsbasierte Stressbewältigung) können alle Menschen umsetzen. Die inhaltlichen Einsichten, die im Dharma versammelt sind, eignen sich sogar besonders gut für atheistisch, agnostisch und humanistisch orientierte Menschen.

 

Die Lehre des Buddha wird nur dann lebendig, wenn Menschen sie individuell nachvollziehen. Darum gibt es potentiell so viele Dharma-Interpretationen wie Menschen auf der Erde. In offenen Gemeinschaften lässt sich das spüren und erleben. Davon zeugen 25 Jahre „Achtsamkeit in Oldenburg“.

 

 

Dieser Artikel wurde in der ‘Buddhismus aktuell‘ (Heft 4/02020) veröffentlicht.


All we need is less

Corona, Buddha und andere Motive für eine Kultur des Genug

Noch wehren sich viele Menschen gegen die unbequeme Wahrheit, dass unsere Zivilisation auf einen Abgrund zusteuert. Die Corona-Pandemie ist nur ein Vorgeschmack, denn größere Krisen wie der Klimawandel und das Artensterben rücken näher. Sie entstehen aus dem zentralen Widerspruch unserer Zeit - dem Wachstumswahn auf einem endlichen Planeten. Dieses Dilemma lässt sich nur überwinden, wenn dessen Ursachen identifiziert worden sind.

 

Klar ist: Es waren Menschen, die diese Gesellschaftsform aufgebaut und mit ihren Motiven und Handlungen gestaltet haben. Es ist ihr „mehr haben wollen“, das sich zu einer Wachstumsdoktrin verfestigt hat. Es ist ihr gemeinsames und gleichzeitig trennendes Streben nach „mehr als andere haben wollen“, das sich nun als Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck zeigt. Und von den ökologisch und sozial schädlichen Folgen dieses Vorgehens lenken sie sich mit der Befürchtung ab, ein Abweichen von diesen Wegen und Prinzipien sei erst recht katastrophal.

 

Vom Wachstumssystem ist keine Umorientierung zu erwarten, denn es sieht sich ohne Alternative. Diese Wirtschaftsform kann sich eine Ökonomie ohne Expansion und Konsumsteigerungen nicht einmal vorstellen. Bei ihrer Jagd nach Profit und Marktmacht ignoriert sie alle Warnungen und planetaren Grenzen. Ihr ist nie etwas genug. Statt Befriedigung zu finden sucht sie ständig nach Lücken und neuen Geschäftsfeldern oder wirbt für neue Wünsche und Trends.

 

Auswege aus dieser Sackgasse können deshalb nur von den einzelnen Menschen gefunden und beschritten werden. Als Teil des Problems sind sie auch Teil der Lösung. Solange sie den ökologischen Fußabdruck übertreten, sind sie kleine Motoren eines unheilsamen Prozesses. Sobald sie ihr Handeln an einer enkeltauglichen Zukunft ausrichten, arbeiten sie für eine heilsame Perspektive.

 

Die Corona-Krise weist auf die größte Hürde dieses Wandels hin. Die meisten Menschen sind zwar zu kurzfristigen Einschränkungen bereit, wenn sie danach zu den alten Gewohnheiten zurückkehren dürfen. Ein nachhaltiger Umschwung benötigt jedoch ihren festen Willen, die bisher ins Mehrungswesen gesteckte Kraft dauerhaft für eine Transformation einzusetzen. Im Idealfall sollte niemand zu einem Richtungswechsel gezwungen werden, sondern möglichst alle sollten diese Wende aus Überzeugung anstreben oder aus vollem Herzen wünschen.

 

Neue Motive braucht das Land, braucht die Wirtschaft, braucht jeder Mensch. Um sich vom Drang nach Mehrung zu befreien, bieten Ziele wie „genug ist genug“ und „all we need is less“ quantitativ überprüfbare Beweggründe an. Diese von Behutsamkeit durchdrungene Motivation ist flexibel und verhandelbar. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, weil die Erde groß, die Menschheit bunt und das „zu viel“ extrem ungleich verteilt ist.

Schwieriger auszutarieren ist der Inhalt der Motive für eine Kultur des Genug, da sie auf individuellen Erfahrungen, Einsichten und Entscheidungen beruhen. Wer sich freiwillig, überzeugt und rechtzeitig für eine soziale und ökologische Wende engagieren möchte, sollte allerdings offen sein für Anregungen aller Art.

 

Interessant und hilfreich sind zum Beispiel einige Überlegungen des Buddha, der vor 2.500 Jahren mit „Gier, Aggression und Verblendung“ ausgerechnet jene Antriebskräfte als Ursachen von menschlichem Leid identifiziert hat, die sich heutzutage als Wachstumsprinzip, Konkurrenzdenken und Folgenleugnung zu einer Art „Gier-Wirtschaft“ gemausert haben. Außerdem hat der Buddha einige einfache Praktiken für eine ausgewogene Lebensgestaltung vorgeschlagen.

 

Mit der Meditation empfiehlt er eine Übung, sich ganz und in Ruhe bewusst der Gegenwart zuzuwenden, um das Dasein als ständige Bewegung und die eigene Anwesenheit als existenzielle Verbundenheit mit dem Universum zu erleben. Wer sich derart willkommen weiß in dieser Welt, wird verantwortlich handeln und ohne Verzichtsgefühle einen - schon vom Buddha empfohlenen - „Mittleren Weg“ beherzigen, weil von einer grundsätzlichen Zufriedenheit aus gesehen „weniger“ eigentlich nur bedeutet: „anders“. Mit dieser Einstellung lässt sich auch in begüterten Regionen ein maßvolles Handeln verwirklichen, das sowohl Armut und Hunger als auch Überfluss und Verschwendung vermeidet.

 

Während der Corona-Krise lässt sich beobachten, welche Maßnahmen nötig und möglich sind, um das Leben von Menschen zu retten, die nah und sichtbar sind. Diese Anteilnahme wird durch die buddhistische „Liebende-Güte-Meditation“ auf alle lebenden und die noch nicht geborenen Wesen ausgedehnt, ohne auf Dürren, Fluten, Missernten, Epidemien und ähnliche Katastrophen zu warten. Dieses umfassende Mitgefühl führt nicht nur zu einem Protest gegen die Zerstörung der Mitwelt, sondern auch zu einer Aufforderung an die Politik, neben dem ganzen (Alltags-) Leben immer auch das Leben als Ganzes im Blick zu behalten, also global und enkeltauglich zu denken und lokal zu handeln.

 

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Postwachstums-Gesellschaft aufbauen, in der soziale Absicherung, Gesundheit, Bildung, Kultur usw. nicht mehr vom Mehrungswesen abhängig sind. Mit diesem Konzept entsteht eine Lebensweise, die von Nähe und Fürsorge bestimmt wird und sich durch Teilen und Teilhabe, Haltbarkeit und Reparieren, Recycling und Naturschutz, Genügsamkeit und Grundsicherung, Gemeinwohl und Genossenschaften usw. auszeichnet.

 

Zentrale Kraftquelle für die kreative Überwindung des Wachstumswahns auf unserem endlichen Planeten und für die Gestaltung einer Kultur des Genug ist jedoch ein Ziel, das der Buddha dem Leben gab und ihm den Ehrentitel „der Erwachte“ einbrachte: „Wake up - wach auf!“, meinte er. „Schau Dir die Welt hier und jetzt unvoreingenommen und achtsam an. Und engagiere Dich.“

 

Beitrag von Manfred Folkers für einen Podcast des oekom-Verlags

zum Buch:

 

„All you need is less" Manfred Folkers / Niko Paech

Die Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

(oekom verlag; 240 Seiten; 20 €; ISBN: 978-3-96238-058-8; März 02020)

„Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Sie sind die zentralen Pfeiler der modernen-Suffizienz-Bewegung, aber auch der Lehre des Buddha. Die Autoren loten aus, welche Potenziale diese Konzepte enthalten, um den Wachstumspfad zu verlassen und eine Kultur des Genug zu entwickeln.


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Program 1. Quartal Achtsamkeit-in-OL 2021
Hier können Sie das Programm herunterladen.
Gelbinfo Jan bis April 2021.pdf
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