AinOL-Aktuelles:

"Indem ich auf mich selbst achte, achte ich auf alle Anderen; indem ich auf alle Anderen achte, achte ich auf mich selbst" (Buddha). Im Umgang mit Corona bedeutet dieser Leitgedanke, sich gelegentlich zu testen und bei grippalen Symptomen digital an der Meditation teilzunehmen. Ungeimpfte sollten sich in besonderer Weise schützen. Der Raum ist groß und wird gelüftet.

Aktuelles Programm

Drei Mal im Jahr erscheint unser Veranstaltungsprogramm, das "Gelbe Info".

Gesprächsthemen des Meditationskreises:

 

  

 

7.9. + 5.10. + 2.11. + 7.12.02022: Geführte Meditation (MF/SM)

 

Die 2. Phase unserer Sitz-Meditation wird durch das Vorlesen kurzer Sätze ergänzt, die sich mit der Ein- & Ausatmung verknüpfen lassen.

 

28.9. + 26.10. + 28.12.02022: Tee & Gespräch

 

Während wir ein vorbereitetes Getränk (z. B. Tee) trinken, sprechen wir über unsere Erfahrungen mit dem Leben und dem Meditieren.

 

14.9.02022: Achtfacher Pfad - Achtsamkeit (SM)

2.11.02022: Achtfacher Pfad - Sammlung (SM)

 

Auf dem Hintergrund des ‘Achtfachen Pfades‘ der Lehre des Buddha sprechen wir über die Pfade 7 (Achtsamkeit) und 8 (Sammlung).

 

21.9.02022: Die Schönheit der Erde (MF)

 

Wir sprechen über einen Textauszug aus dem Buch ‘Zen und die Kunst, die Welt zu retten‘ von Thich Nhat Hanh.

 

5.10.02022: „Wake up Oldenburg“ stellt sich vor

 

In der Plum-Village-Sangha sind viele junge Menschen in Wkup-Gruppen aktiv.

 

12.10.02022: Das Tao des Bowie (MF)

 

Wir besprechen Auszüge aus dem Buch ‘Das Tao des David Bowie - Seine 10 Lektionen für ein besseres Leben‘ von Mark Edwards.

 

19.10.02022: Säkulare Ethik (TS)

 

Wir sprechen über Gedanken des Dalai Lama über die Bedeutung einer säkularen Ethik angesichts der Fülle heutiger Probleme.

 

9.11.02022: Die fünf Betrachtungen

 

Wir besprechen die ‘fünf Betrachtungen‘, die vor Mahlzeiten rezitiert werden.

 

16.11. 02022 & 4.1.02023: Wir besprechen Texte aus dem Buch ‘Stille, die aus dem Herzen kommt‘ von Thich Nhat Hanh (UN)

 

16.11.22: Individuelles & kollektives Bewusstsein

4.1.23.: Wollen, Tatabsichten, tiefes Streben

 

23.11.02022: Thich Nhat Hanhs Leben & Arbeit (IH)

 

Wir sprechen über das Leben und die Arbeit von Thich Nhat Hanh.

 

7.12.02022: Die fünf Achtsamkeitsübungen

 

Wir besprechen die fünf buddhistischen Silas (‘Lebensregeln‘).

 

14.12.02022: Gretchenfrage ‘Religion‘ (AW)

 

Wir sprechen über die Frage ‘Wie hältst Du’s mit der Religion?‘

 

21.12.02022: Die drei Erdberührungen

 

In einer Liegemeditation verbinden wir unseren Geist mit der Erde.

 

 

 

 


Meditationskreis „Achtsamkeit in Oldenburg e.V“

Unser Meditationskreis trifft sich jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr im Umwelthaus Oldenburg (PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3; Zugang über den kleinen Innenhof auf der PFL-Rückseite). Wegen der Corona-Pandemie empfehlen wir, dass Ungeimpfte sich vorher selbst testen. Weitere Einzelheiten werden vor Ort geklärt.

 

Eine digitale Teilnahme ist weiterhin möglich. Sie wird vom Umwelthaus aus „gehostet“. Auch eine Teilnahme an den Gesprächen ist damit möglich. Die Zugangsdaten sind hier auf der Webseite zu finden.

 

!! Achtung: Ein Passwort ist nötig (wird nach Anfrage zugemailt) !!

 

 Für viele Abende sind Gesprächsthemen vorbereitet. Der 1. Mittwoch im Monat enthält in der 2. Sitzphase oft eine geführte Meditation; der letzte Mittwoch ist für Gespräche über spontan entstehende Themen vorgesehen.

 

 

 

„Achtsamkeit in Oldenburg e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein. Spenden (steuerabzugsfähig) sind möglich auf das Konto der Oldenburgischen Landesbank DE19 2802 0050 1223 3540 00 (IBAN), OLBO DE H2XXX (BIC).  Herzlichen Dank.  

 

 



Bis 26.9.02022 jeden Montag 18:00 - 19:00 Uhr:

Qigong im Schlossgarten

Die vom Achtsamkeits-Verein organisierte öffentliche Qigong-Übe-Stunde endet am 26. September. Auf der Wiese hinter dem Tropenhaus werden unter Anleitung leichte Übungen praktiziert. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Spenden werden an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet.


Mi 30. November 02022, 19:30 Uhr; Umwelthaus Oldenburg:

Tee-Meditation

Bild:  © Theo Stenart
Bild: © Theo Stenart

In einem meditativen Rahmen werden wir gemeinsam eine Tasse Tee und einen Keks genießen und uns anschließend an Beiträgen erfreuen, die die Teilnehmenden mitbringen (Texte, Erlebnis-Berichte, Kreatives …). Eine digitale Teilnahme von zu Hause aus ist selbstverständlich möglich … der Tee muss dann jedoch selbst zubereitet und eingeschenkt werden …


Die fünf Betrachtungen (für das Gespräch am Mi 9.11.22)

 

1. Diese Nahrung ist das Geschenk des ganzen Universums, der Erde, des Himmels und von viel Liebe und Mühe.

2. Mögen wir so leben, dass wir es verdienen, dieses Geschenk zu empfangen.

3. Mögen wir unsere unheilsamen Geisteszustände umwandeln und lernen, maßvoll zu leben.

4. Mögen wir nur solche Nahrungsmittel zu uns nehmen, die uns nähren und Krankheit verhüten.

5. Wir nehmen diese Nahrung an, so dass wir den Pfad des Verstehens und der Liebe verwirklichen können.  


Sonnabend 31.12.02022 ab 22.30 Uhr (Zoom: evtl. auch im Umwelthaus)

Stille statt Böller

Wie im vergangenen Jahr wollen wir wieder gemeinsam digital ins neue Jahr „hinein-meditieren“. Wegen der Einwahl-Daten und der Klärung der Frage, ob eine Teilnahme auch im Umwelthaus möglich ist, ist eine Anmeldung nötig: info@achtsamkeit-in-ol.de oder Mittwochs im Umwelthaus.

 

Gesucht werden noch Beiträge für das Programm von 22.45 - 23.45 Uhr. Bitte meldet Eure Vorschläge rechtzeitig. Danke. Weitere Infos siehe Netzseite.


Sonntag, 25 September 02022:

Geh-Meditation am Haaren-Sperrwerk

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Geh-Meditation ist schweigendes Gehen in der freier Natur. Langsam ausgeführte Schritte erleichtern es, die eigene Atmung wahr zu nehmen. Diese Achtsamkeit ermöglicht ein ruhiges und konzentriertes Genießen der Umgebung und der Gemeinschaft. Der Damm des Haaren-Sperrwerks ist für dieses Vorhaben sehr gut geeignet, denn auf ihm gibt es einen festen und trockenen Weg, der vom Stausee zunächst in einen Wald und anschließend in die ‘offene Weite‘ eines Wiesenbereichs führt. Zwei kleine Steh-Meditationen während der gut 60-minütigen ‘Wanderung‘ werden helfen, die Stille dieses Ortes noch intensiver zu ‘hören‘.

Treffpunkt: Vor 15.00 Uhr am kleinen Parkplatz an der Straße vom Woldsee zur Woldlinie (Straße nach Petersfehn). Von dort geht's dann zu Fuß 150 m stromaufwärts zum Haaren-Sperrwerk. Eine Anreise per Fahrrad wird empfohlen. Wer mag, kann sich für eine gemeinsame Radanfahrt bis 14.00 Uhr am Umwelthaus (Rückseite PFL) einfinden. - Eine Voranmeldung ist er, aber nicht erforderlich aber gewünscht (hier anmelden). Bitte rechtzeitig kommen. Bei Regen Schirm mitbringen. Die Teilnahme ist kostenfrei; Spenden sind möglich.


Retreat mit Manfred Folkers im EIAB (Waldbröl); 15.-18.9.02022

Achtsame Transformation - Wege in eine Kultur des Genug

Angesichts wachsender Krisen wird immer öfter eine große Transformation angemahnt. Aber in welche Richtung soll sich dieser Wandel entwickeln?

Mit Orientierungen wie Zufriedenheit, Verbundenheit, Achtsamkeit und Mitgefühl wollen wir gemeinsam Wege in eine Kultur des Genug erarbeiten. Eine zentrale Rolle wird der von Thich Nhat Hanh beschriebene Zustand „Samtusta“ bilden: „You have enough - Du hast genug“. Auf diese Weise werden wir uns einem Leitgedanken seiner Sangha nähern: „Je mehr Du die Erde liebst, desto weniger möchtest Du nehmen, was Du nicht brauchst“.

 

Das Programm: Impuls-Vorträge, Austausch, Schweigezeiten, Qigong-Übungen, Erdberührungen und Geh-Meditationen.

 

Kurs-Nr. K2237-2; Infos: www.eiab.eu

 


Mit Zement das Klima killen . . .

. . . und was Buddhist:innen dagegen tun können

Photo by Radowan Nakif Rehan on Unsplash.com
Photo by Radowan Nakif Rehan on Unsplash.com

„Buddha - und nicht Beton!“ - „Mehr Dharma - weniger Zement!“ -  „Buddhist:innen gegen Beton und Bauwahn!“ Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage stellt sich nur, wer der Meinung ist, buddhistische Praxis habe mit gesellschaftlichem Engagement nichts zu tun.

 

Am 11. Juni 2022 haben sich einige Mitglieder der Arbeitsgruppe ‘Umwelt‘ der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) vor zwei Zementfabriken getroffen, um in einer Kombination aus Meditation und Demonstration auf die schädlichen Wirkungen der Nutzung von Beton aufmerksam zu machen. Mit dieser Aktion möchte die AG Umwelt aufzeigen, welche bedeutsame Rolle die Lehre des Buddha bei der Entwicklung und Begründung von Motiven und für das Durchhaltevermögen für Aktivist:innen haben kann, die sich sowohl den vielfältigen gegenwärtigen Problemen der Menschheit als auch den eigenen Widersprüchen und Inkonsequenzen direkt stellen und sie lösen möchten.

 

Drei Milliarden Tonnen Kohlendioxid - pro Jahr

 

„Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht.“ Dieser Werbeslogan der Beton- und Zementindustrie aus den 1980er-Jahren lenkt von einer seltener diskutierten Blickrichtung ab: „Beton - seine Herstellung und deren Folgen.“ Denn Beton ist kein Naturprodukt, sondern das Ergebnis eines äußerst energieaufwändigen industriellen Prozesses. Wichtigster Grundstoff ist eine Mischung aus Kalkstein und Ton (Mergel), die zerkleinert auf fast 1.500 ° C erhitzt (gesintert) und anschließend zu Zement zermahlen wird.

 

Die bei der Produktion von Zement auftretende Schwermetall- und Staubbelastung konnte reduziert werden, aber der Flächenverbrauch ist hoch, denn der Abbau von Kalkstein führt zu riesigen Steinbrüchen und der Einsatz von Beton zu einer enormen Bodenversiegelung durch Straßen, Gebäude, Hafenanlagen, Parkplätzen usw. Hinzu kommen - z. B. in Indonesien - Zwangsumsiedlungen indigener Völker, die in kalksteinreichen Gebieten leben (1).

 

Vor allem aber entstehen weltweit bei der Herstellung von vier Milliarden Tonnen Zement - trotz ständiger technologischer Verbesserungen - jährlich drei Milliarden Tonnen CO2. Zwar nimmt Beton beim Aushärten wieder CO2 auf, aber die erzeugten Treibhausgase entsprechen im Endeffekt dem Drei- bis Vierfachen des globalen Luftverkehrs (2). Diese Tatsache ist eine unangenehme Wahrheit für alle Menschen, die sich Sorgen um das Leben ihrer Kinder und Enkelkinder machen und ein nachhaltig zukunftsfähiges Leben führen möchten.

 

Zwar ist die Zementproduktion in Deutschland (z.T. allerdings durch Outsourcing und Re-Importe) im Vergleich zur VR China relativ gering (32 Millionen zu 2.400 Millionen Tonnen), aber der große Beitrag der Bauindustrie zum Klimawandel wird hierzulande immer mehr Menschen bewusst. Dazu trägt der Umstand bei, dass Deutschland die Klimaziele im Jahr 2021 erneut verfehlt hat - insbesondere weil die Sektoren Verkehr und Gebäude über den festgelegten Emissionsmengen liegen, wobei der Gebäudesektor die angestrebte Zielmenge bereits zum zweiten Mal überschritten hat (3).

 

Mit Protestkundgebungen vor Zementwerken bei Hannover (HeidelbergCement und Holcim) möchte die AG ‘Buddhismus und Umwelt‘ auf diesen Teil-Aspekt der Klimakrise hinweisen. Sie möchte die ökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen identifizieren und darlegen, was Buddhist:innen zur Bewältigung dieses Dilemmas beitragen können. 

 

Mehr Wohnfläche - mehr Ersatzbauten - mehr Krisen

 

Wenn es um Bauwerke aus Beton geht, fallen nicht nur in Deutschland die vielen Straßenbauprojekte auf - z. B. Tausende von Brücken, die erneuert werden müssen. Neben Forderungen nach deren längeren Haltbarkeit sollte diskutiert werden, ob uneingeschränkte und spontane individuelle Mobilität und ein globalisiertes Produktions- und Transportwesen weiterhin als gewohnheitsmäßige Anrechte zulässig sein können. Lieber sollte der öffentliche Nah- und Fernverkehr gefördert und der Bau neuer Straßen verhindert werden.

 

Kritikwürdig ist auch die Hausbau-Politik, die - z. B. in Deutschland - einerseits die Schaffung von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr anstrebt (4), zur gleichen Zeit jedoch den Neubau von Einfamilienhäusern für „ökonomisch und ökologisch unsinnig“ erachtet (5) und auf die energetische Sanierung älterer Häuser (Fotovoltaik + Dämmung) setzt, durch die langfristig nur 10% der Treibhausgase gegenüber gleichartigen Neubauten entstehen (4).

 

Hinterfragt werden darf auch die ständig zunehmende Wohnfläche pro Kopf der Bevölkerung und der hohe Anteil an Einpersonenhaushalten (mit rund 42 Prozent an allen Haushalten belegt Deutschland in Europa einen Spitzenplatz). Stattdessen sollte gemeinschaftliches Wohnen, der Bau von kleineren Häusern („Tiny Houses“) und vor allem die gemeinsame Nutzung von Wohnraum (inkl. Haushaltsgeräten) gefördert werden (durch Genossenschaften, Wohn- und Lebensgemeinschaften, Mehr-Generationenhäuser, Öko-Dörfer usw.).

 

Dabei sind die Folgen der Betonbauweise nur ein kleiner Teil der bedrohlichen Gesamtlage. Um z. B. die Erwärmung der Atmosphäre auf 1,5 ° C zu begrenzen, ist es notwendig, in Deutschland den jährlichen CO2-Ausstoß pro Person von 11 t auf 1 t zu senken (6). Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass der Klimawandel nur eines von mindestens sieben größeren Problemen ist, mit denen sich die Menschheit gegenwärtig konfrontiert sieht. Die sechs anderen Krisen lassen sich mit Artensterben, Corona, Krieg, Hunger und Massenflucht aus Ost und Süd überschreiben (7). Und der Klimawandel selbst zeigt sich nicht nur in höheren Durchschnitts-Temperaturen, sondern auch als Trinkwassermangel, Waldbrände, Wüstenausdehnung, Humusrückgang, Starkregenfälle, Dürre usw.

 

Der kürzlich verstorbene engagierte Buddhist Thich Nhat Hanh hat die Situation der Menschheit am 25. 4 2006 zusammengefasst: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird unsere Zivilisation zerstört werden. Wir müssen den von uns eingeschlagenen Kurs, unser Verhalten ändern. Eine tiefe innere Verpflichtung ist nötig, um unsere Erde zu retten“. Dieser „Kampf gegen ökologische Katastrophen“ - so brachte es die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer neulich auf den Punkt - „könnte vergebens sein - aber wir tun es trotzdem, weil es diese kleine Chance gibt, dass es am Ende gut wird.“ (8)

 

Verbundenheit - die Essenz des Dharma

 

Derartige Auffassungen können durch ein Vorgehen entstehen, das als buddhistische Meditation bezeichnet wird, nämlich innehalten und genau hinschauen. Diese Praxis führt nicht nur zu einer Vergegenwärtigung der eigenen Anwesenheit, sondern ermöglicht auch eine unvoreingenommene Betrachtung der problematischen Aspekte des Daseins. Diese Präsenz lässt sich zu einer geistigen Haltung entwickeln, die als Basis für die Bewältigung dieser Probleme wirksam werden kann.

 

Schließlich ist die Lehre des Buddha im Grunde eine bewusste Anwendung des gesunden Menschenverstands (Common Sense) auf das gesamte Leben und das Leben als Ganzes. Das Dharma ist ein vollständiges Seins-Verständnis, das aus einer wissenschaftlich untermauerten präzisen Betrachtung des Lebens ethische Konsequenzen zieht, die zu einer beliebten Definition führen: „Das Heilsame tun, das Unheilsame lassen - das ist die Lehre des Buddha“.

 

Dennoch können die aus dieser Einstellung entstehenden Handlungen nicht als spezifisch buddhistisch bezeichnet werden, da sie eigentlich menschlich sind und auch mit anderen Geisteshaltungen begründet werden können. Allerdings ist es häufig auch für Nicht-Buddhist:innen äußerst fruchtbar, sich mit den Wirkungen des Dharma auf die Motive eines sozialen und ökologischen Engagements und auf dessen Funktion als Kraftquelle zu befassen.

 

Indem die Einsicht, dass das menschliche Leben leidhafte Anteile enthält, den Mittelpunkt des Dharma bildet, wird eine Verdrängung dieser oft von vornherein als negativ bewerteten Wahrheit verhindert. Erst das Akzeptieren von Leid ermöglicht es, vorbehaltlos nach dessen Ursachen zu suchen und sich ohne Angst um seine Überwindung zu bemühen.

 

Selbstverständlich erfolgt dieses Vorgehen zunächst auf persönlicher Ebene, lässt jedoch eine Verallgemeinerung zu. Wenn es z. B. um die exorbitant hohe Produktion von Zement und deren ökologische Folgen geht, zeigt sich sofort der Gleichschritt des individuellen Verlangens nach mehr Wohnraum und Mobilität auf der einen und dem Streben nach Mehrung als Antriebskraft der momentan herrschenden Wirtschaftsform auf der anderen Seite. Indem das ökonomische Prinzip ‘Wachstum‘ auf das Besitzstreben einzelner Menschen zurückgeführt wird, werden mit der Ursachen der Probleme (Motive) auch Ansatzpunkte für deren Lösung identifiziert: die Sehnsüchte der Menschen und die Änderung ihres Verhaltens.

 

Dieses Zusammenspiel zwischen Bevölkerung und Wirtschaft wird im Dharma umfassend wahr genommen und  grundsätzlich hinterfragt, indem z. B. die individuelle Suche nach einem ‘eigenständigen Selbst‘ eingestellt wird zugunsten der Erkenntnis, als Mensch immerzu restlos in diese Welt integriert zu sein. Allgemein wird diese Auffassung - im Einklang mit der modernen Astro- und Quantenphysik - mit Begriffen wie Intersein, wechselseitige Durchdringung und abhängiges Ent- und Bestehen ausgedrückt. Auf praktischer Ebene lässt sich diese existenzielle Zusammengehörigkeit als Miteinander und Verbundenheit erfahren und mit Hilfsbereitschaft und einem liebevollen Wir- und Mitgefühl füllen.

 

Global denken - lokal individuell handeln

 

Das Erkennen der Einheit von Sein und Leben enthält auch den prinzipiellen Auftrag, acht- und behutsam mit der Welt umzugehen. Wer seine Anwesenheit als Mensch als bewusste (An-) Teilnahme an der Entwicklung des Universums versteht, wird es für selbstverständlich halten, sich verantwortlich für das Ganze zu sehen. Wer wissentlich den für eine gedeihliche Zukunft zulässigen ökologischen Fußabdruck überschreitet oder ihn sogar noch willentlich erhöht, kann spüren, wie die eigenen Widersprüche immer schwieriger zu rechtfertigen bzw. zu verdrängen sind.

 

Die Verantwortung für eine enkeltaugliche Lebensgestaltung ist nicht delegierbar - weder auf andere noch auf ein imaginiertes ‘höheres Wesen‘ noch auf die Gesellschaft. Es ist egoistisch und ignorant, allgemeine Veränderungen zu erwarten, ohne selbst mitzuwirken. Die Gesellschaft als Solche kann gar nicht handeln, denn sie hat keine eigenen Hände. Sie ist auf das Engagement ihrer Mitglieder angewiesen. Alle Vorhaben erfordern letztlich ganz konkrete Taten - insbesondere wenn neuartige Verhaltensweisen entwickelt werden sollen.

 

Der wichtigste Beitrag, den eine Person zur Transformation einer Gesellschaft beitragen kann, besteht darin, sich selbst zu transformieren. Wer - so drückte es der Buddha aus - in aller Tiefe und Weite auf sich selbst achtet, achtet auf diese Weise auch auf alle anderen. Und wer in aller Tiefe und Weite auf das Ganze achtet, achtet gleichzeitig auf sich selbst. Diese Praxis findet sich in modernen Slogans wie ‘global denken - lokal individuell handeln‘ und ‘in sich selbst die ganze Welt entdecken‘ wieder. Eine reduzierte Verwendung von Zement und Beton kann deshalb nicht nur durch veränderte Bauweisen (Renovierung statt Neubau, Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen usw.), sondern auch durch Anreize zum Zusammenwohnen und zum Energiesparen (Sharing, Tauschringe, Reparieren usw.) erreicht werden. Kooperative Nutzung von Wohnraum und die Förderung einer ressourcenschonenden Mobilität sind hervorragende Experimentierfelder einer enkeltauglichen Lebensweise.

 

Die Lehre des Buddha benötigt keine religiösen Vorgaben. Sie kommt ohne Dogmen und Konstrukte wie Gott oder ein ‘eigenständiges Selbst‘ aus, wenn sie interessierten Menschen ihre spirituelle Kraft anbietet, um deren Widerstandsfähigkeit gegen Krisen zu stärken und zu einer umfassenden inneren und äußeren Transformation zu ermuntern. Engagierte Buddhist:innen vollziehen keine außergewöhnlichen Taten, wenn sie sich mit Hilfe ihrer umfassend begründeten Motivation an den Aktivitäten der Umweltschutzbewegung beteiligen. Sie versuchen lediglich, ein integeres und waches Leben zu verwirklichen, das sich an einem in buddhistischen Kreisen beliebten Motto orientiert: „Je mehr Du die Erde liebst, desto weniger möchtest Du nehmen, was Du nicht brauchst“.

 

Das umfassende Selbstverständnis (‘Leitbild‘) der Arbeitsgruppe ‘Buddhismus und Umwelt‘ ist - angereichert mit Handlungsanregungen - in der Netzseite der DBU nachzulesen (9).

 

Text: Manfred Folkers, Oldenburg (abgestimmt in der DBU-AG Umwelt am 29. Mai 02022) (folkers@dbu-brg.org)

 


 Anmerkungen zum Text „Mit Zement das Klima killen … und was Buddhist:innen dagegen tun können“:

(1) https://cemend.earth/#ausbeutung

(2) „Zement“ (Wikipedia)

(3) www.tagesschau.de/inland/treibhausgase-deutschland-klimaziel-101.html.

(4) Philipp Kollenbroich / Jonas Schaible: „Bauen, bauen, bauen“; in: DER SPIEGEL Nr. 8; 19.2.2022

(5) www.tagesschau.de/wirtschaft/bauen-einfamilienhaeuser-oekologie-101.html

(6) www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/klimaschutz-massnahmen-103.html

(7) Bernd Ulrich: „Sieben auf einen Streich“; in: DIE ZEIT N° 13, 24.3.2022

(8) Luisa Neubauer: „Diese kleine Chance, dass es am Ende gut wird“; in: Chrismon 04.2022

(9) www.buddhismus-deutschland.de/ag-umwelt/; bis „1. Aktuell“ scrollen und bei „Hier (PDF)“ klicken 


All we need is less

Corona, Buddha und andere Motive für eine Kultur des Genug

Noch wehren sich viele Menschen gegen die unbequeme Wahrheit, dass unsere Zivilisation auf einen Abgrund zusteuert. Die Corona-Pandemie ist nur ein Vorgeschmack, denn größere Krisen wie der Klimawandel und das Artensterben rücken näher. Sie entstehen aus dem zentralen Widerspruch unserer Zeit - dem Wachstumswahn auf einem endlichen Planeten. Dieses Dilemma lässt sich nur überwinden, wenn dessen Ursachen identifiziert worden sind.

 

Klar ist: Es waren Menschen, die diese Gesellschaftsform aufgebaut und mit ihren Motiven und Handlungen gestaltet haben. Es ist ihr „mehr haben wollen“, das sich zu einer Wachstumsdoktrin verfestigt hat. Es ist ihr gemeinsames und gleichzeitig trennendes Streben nach „mehr als andere haben wollen“, das sich nun als Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck zeigt. Und von den ökologisch und sozial schädlichen Folgen dieses Vorgehens lenken sie sich mit der Befürchtung ab, ein Abweichen von diesen Wegen und Prinzipien sei erst recht katastrophal.

 

Vom Wachstumssystem ist keine Umorientierung zu erwarten, denn es sieht sich ohne Alternative. Diese Wirtschaftsform kann sich eine Ökonomie ohne Expansion und Konsumsteigerungen nicht einmal vorstellen. Bei ihrer Jagd nach Profit und Marktmacht ignoriert sie alle Warnungen und planetaren Grenzen. Ihr ist nie etwas genug. Statt Befriedigung zu finden sucht sie ständig nach Lücken und neuen Geschäftsfeldern oder wirbt für neue Wünsche und Trends.

 

Auswege aus dieser Sackgasse können deshalb nur von den einzelnen Menschen gefunden und beschritten werden. Als Teil des Problems sind sie auch Teil der Lösung. Solange sie den ökologischen Fußabdruck übertreten, sind sie kleine Motoren eines unheilsamen Prozesses. Sobald sie ihr Handeln an einer enkeltauglichen Zukunft ausrichten, arbeiten sie für eine heilsame Perspektive.

 

Die Corona-Krise weist auf die größte Hürde dieses Wandels hin. Die meisten Menschen sind zwar zu kurzfristigen Einschränkungen bereit, wenn sie danach zu den alten Gewohnheiten zurückkehren dürfen. Ein nachhaltiger Umschwung benötigt jedoch ihren festen Willen, die bisher ins Mehrungswesen gesteckte Kraft dauerhaft für eine Transformation einzusetzen. Im Idealfall sollte niemand zu einem Richtungswechsel gezwungen werden, sondern möglichst alle sollten diese Wende aus Überzeugung anstreben oder aus vollem Herzen wünschen.

 

Neue Motive braucht das Land, braucht die Wirtschaft, braucht jeder Mensch. Um sich vom Drang nach Mehrung zu befreien, bieten Ziele wie „genug ist genug“ und „all we need is less“ quantitativ überprüfbare Beweggründe an. Diese von Behutsamkeit durchdrungene Motivation ist flexibel und verhandelbar. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, weil die Erde groß, die Menschheit bunt und das „zu viel“ extrem ungleich verteilt ist.

Schwieriger auszutarieren ist der Inhalt der Motive für eine Kultur des Genug, da sie auf individuellen Erfahrungen, Einsichten und Entscheidungen beruhen. Wer sich freiwillig, überzeugt und rechtzeitig für eine soziale und ökologische Wende engagieren möchte, sollte allerdings offen sein für Anregungen aller Art.

 

Interessant und hilfreich sind zum Beispiel einige Überlegungen des Buddha, der vor 2.500 Jahren mit „Gier, Aggression und Verblendung“ ausgerechnet jene Antriebskräfte als Ursachen von menschlichem Leid identifiziert hat, die sich heutzutage als Wachstumsprinzip, Konkurrenzdenken und Folgenleugnung zu einer Art „Gier-Wirtschaft“ gemausert haben. Außerdem hat der Buddha einige einfache Praktiken für eine ausgewogene Lebensgestaltung vorgeschlagen.

 

Mit der Meditation empfiehlt er eine Übung, sich ganz und in Ruhe bewusst der Gegenwart zuzuwenden, um das Dasein als ständige Bewegung und die eigene Anwesenheit als existenzielle Verbundenheit mit dem Universum zu erleben. Wer sich derart willkommen weiß in dieser Welt, wird verantwortlich handeln und ohne Verzichtsgefühle einen - schon vom Buddha empfohlenen - „Mittleren Weg“ beherzigen, weil von einer grundsätzlichen Zufriedenheit aus gesehen „weniger“ eigentlich nur bedeutet: „anders“. Mit dieser Einstellung lässt sich auch in begüterten Regionen ein maßvolles Handeln verwirklichen, das sowohl Armut und Hunger als auch Überfluss und Verschwendung vermeidet.

 

Während der Corona-Krise lässt sich beobachten, welche Maßnahmen nötig und möglich sind, um das Leben von Menschen zu retten, die nah und sichtbar sind. Diese Anteilnahme wird durch die buddhistische „Liebende-Güte-Meditation“ auf alle lebenden und die noch nicht geborenen Wesen ausgedehnt, ohne auf Dürren, Fluten, Missernten, Epidemien und ähnliche Katastrophen zu warten. Dieses umfassende Mitgefühl führt nicht nur zu einem Protest gegen die Zerstörung der Mitwelt, sondern auch zu einer Aufforderung an die Politik, neben dem ganzen (Alltags-) Leben immer auch das Leben als Ganzes im Blick zu behalten, also global und enkeltauglich zu denken und lokal zu handeln.

 

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Postwachstums-Gesellschaft aufbauen, in der soziale Absicherung, Gesundheit, Bildung, Kultur usw. nicht mehr vom Mehrungswesen abhängig sind. Mit diesem Konzept entsteht eine Lebensweise, die von Nähe und Fürsorge bestimmt wird und sich durch Teilen und Teilhabe, Haltbarkeit und Reparieren, Recycling und Naturschutz, Genügsamkeit und Grundsicherung, Gemeinwohl und Genossenschaften usw. auszeichnet.

 

Zentrale Kraftquelle für die kreative Überwindung des Wachstumswahns auf unserem endlichen Planeten und für die Gestaltung einer Kultur des Genug ist jedoch ein Ziel, das der Buddha dem Leben gab und ihm den Ehrentitel „der Erwachte“ einbrachte: „Wake up - wach auf!“, meinte er. „Schau Dir die Welt hier und jetzt unvoreingenommen und achtsam an. Und engagiere Dich.“

 

Beitrag von Manfred Folkers für einen Podcast des oekom-Verlags

zum Buch:

 

„All you need is less" Manfred Folkers / Niko Paech

Die Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

(oekom verlag; 240 Seiten; 20 €; ISBN: 978-3-96238-058-8; März 02020)

„Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Sie sind die zentralen Pfeiler der modernen-Suffizienz-Bewegung, aber auch der Lehre des Buddha. Die Autoren loten aus, welche Potenziale diese Konzepte enthalten, um den Wachstumspfad zu verlassen und eine Kultur des Genug zu entwickeln.


„Achtsamkeit in Oldenburg e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein. Spenden (steuerabzugsfähig) sind möglich auf das Konto der Oldenburgischen Landesbank DE19 2802 0050 1223 3540 00 (IBAN), OLBO DE H2XXX (BIC).  Herzlichen Dank. 


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Program 3. Quartal Achtsamkeit-in-OL 2022
Hier können Sie das Programm herunterladen.
Gelbinfo Sept bis Dez 22.pdf
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