AinOL-Aktuelles:

Wegen der Corona-Pandemie halten wir uns derzeit (Stand 27. April 02022) an die ‘3-G-Regel‘ (tagesaktueller Schnell-Test für Ungeimpfte). Weitere Einzelheiten werden vor Ort geklärt.


Aktuelles Programm

Drei Mal im Jahr erscheint unser Veranstaltungsprogramm, das "Gelbe Info".

Gesprächsthemen des Meditationskreises:

 

  

 4.5. + 1.6. + 6.7. + 3.8.02022: Geführte Meditation (MF/SM)

 

Die 2. Phase unserer Sitz-Meditation wird durch das Vorlesen kurzer Sätze ergänzt, die sich mit der Ein- & Ausatmung verknüpfen lassen.

 

11.5. + 13.7. + 20.7. 02022: Wir besprechen Texte aus dem Buch ‘Stille, die aus dem Herzen kommt‘ von Thich Nhat Hanh (UN)

 

11.5.: Die Arten der Nahrung

13.7.: Essbare Nahrung

20.7.: Sinneseindrücke

 

25.5. + 29.6. + 27.7. + 31.8.02022: Tee & Gespräch

 

Während wir ein vorbereitetes Getränk (z. B. Tee) trinken, sprechen wir über unsere Erfahrungen mit dem Leben und dem Meditieren.

 

1.6.02022: Der Ökosattva-Weg (MF)

 

David Loy (Buchautor und Zen-Lehrer aus den USA) wird am 26.5.22 in Bonn einen Vortrag halten, von dem ein Teilnehmer berichten wird.

 

8.6.02022: Lebensregel (TS)

 

Wir lesen und besprechen ein Gedicht des Schriftstellers, Publizisten und politischen Aktivisten Erich Mühsam.

 

15.6.02022: Bericht von einer Kundgebung (MF)

 

Am Sa 11.6.22 wird die AG Umwelt der Deutschen Buddhistischen Union eine Kundgebung vor zwei Zementwerken veranstalten.

 

6.7.02022: Achtfacher Pfad - Lebenserwerb (SM)

24.8.02022: Achtfacher Pfad - Anstrengung (SM)

 

Auf dem Hintergrund des ‘Achtfachen Pfades‘ der Lehre des Buddha sprechen wir über die Pfade 5 (Lebenserwerb) und 6 (Anstrengung).

 

10.8.02022: Eine Wolke stirbt niemals (Video)

 

Wir sehen den Film ‘A cloud never dies‘ (OmU) an, in dem das Leben von Thich Nhat Hanh gezeigt wird.  Link: https://youtu.be/DRObW9noiVk

 

17.8.02022: Bericht aus Plum Village (MF)

 

Wir sprechen über einen kurzen Bericht vom diesjährigen Sommer-Retreat in Plum Village.

 

 

 

 


Meditationskreis „Achtsamkeit in Oldenburg e.V“

Unser Meditationskreis trifft sich jeden Mittwochabend um 19.30 Uhr im Umwelthaus Oldenburg (PFL-Kulturzentrum, Peterstr. 3; Zugang über den kleinen Innenhof auf der PFL-Rückseite). Wegen der Corona-Pandemie halten wir uns derzeit (Stand 27. April 02022) an die ‘3-G-Regel‘ (tagesaktueller Schnell-Test für Ungeimpfte). Weitere Einzelheiten werden vor Ort geklärt.

 

Eine digitale Teilnahme ist weiterhin möglich. Sie wird vom Umwelthaus aus „gehostet“. Auch eine Teilnahme an den Gesprächen ist damit möglich. Die Zugangsdaten sind hier auf der Webseite zu finden.

 

!! Achtung: Ein Passwort ist nötig (wird nach Anfrage zugemailt) !!

 

Für viele Abende sind die Gesprächsthemen vorbereitet; der letzte Mittwoch im Monat ist für offene Gespräche vorgesehen.



Bild:  © Monica Max West
Bild: © Monica Max West

Thich Nhat Hanh

(11. 10.  01926  -  22. 1. 02022)

 

Im Januar ist der Dharma-Lehrer und Friedensarbeiter Thich Nhat Hanh in seiner vietnamesischen Heimat gestorben. Er war 80 Jahre lang Mönch und lebte 50 Jahre im Exil in Frankreich. Er war engagierter Buddhist und Schriftsteller. Seine rund 100 Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Er gründete mehrere Klöster (plumvillage.org) und das europäische Institut für angewandten Buddhismus in Waldbröl (eiab.eu).

 

Im Rahmen der vom Kulturamt der Stadt Oldenburg organisierten Vortragsreihe ‘Orientierung in bedrohlicher Zeit‘ sprach Thich Nhat Hanh am 21. Mai 01993 im völlig überfüllten Großen Saal des PFL zum Thema ‘Innerer Friede Äußerer Friede - Buddhistische Anregungen für westliche Lebensgestaltung‘. Später leitete er eine Geh-Meditation vom PFL zum Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Diese Veranstaltungen bewirkten ein großes Interesse am Thema ‘Achtsamkeit‘, das 01995 zur Gründung des gemeinnützigen Vereins ‘Achtsamkeit in Oldenburg‘ führte.

 

Drei Jahre später organisierte das Kulturamt unter dem Titel ‘Mit dem Herzen verstehen‘ einen weiteren Vortrag mit Thich Nhat Hanh, dem über 1.000 Interessierte in der Aula der Cäcilienschule beiwohnten. Wie 01993 leitete er anschließend ein 6-tägiges Retreat im Seminarhaus Hof Oberlethe bei Wardenburg; weitere Retreats folgten 02001 und 02005.

 

Bevor er Vietnam verlassen musste, hatte er eine ‘Schule für soziale Dienste‘ gegründet, deren zahlreiche Mitglieder sich intensiv dem Beheben von Kriegsfolgen widmete. Außerdem war er damals schon als Dichter beliebt. Seine Fähigkeit, tiefe spirituelle Erfahrungen in einer einfachen Sprache zu beschreiben, machte ihn auch später weit über buddhistische Kreise hinaus bekannt.

 

Als Buddhist war Thich Nhat Hanh traditionsübergreifend unterwegs, wobei es ihm gelang, wichtige Aspekte der Buddha-Lehre (Dharma) zeitgenössisch zu interpretieren. So bearbeitete er die Auffassung, Leiden sei ein Merkmal des Daseins, indem er betonte, dass die Überwindung von Leid zwar das zentrale Ziel des Dharma, aber kein Grundelement von Existenz ist. Er befreite das Wiedergeburtskonzept von esoterischen Annahmen, indem er von Fortdauer sprach und das Leben des einzelnen Menschen mit einer Welle verglich, die immerzu auch Wasser ist. Außerdem erläuterte er eine Kernaussage des Dharma (‘Alles ist ohne eigenständiges Selbst‘), indem er sie aus dem Herz-Sutra ableitete und mit dem Satz veranschaulichte: ‘Leer von einem eigenständigen Selbst zu sein bedeutet, erfüllt zu sein von allem‘. Das Ziel aller meditativen Methoden (die eigene Anwesenheit achtsam wahr- und annehmen) erreichte er mit den Worten: ‘Einatmend verweile ich ganz im gegenwärtigen Augenblick - ausatmend weiß ich, dass es ein wundervoller Augenblick ist‘.

 

Thich Nhat Hanh gehört neben dem Dalai Lama zu den bekanntesten Dharma-Lehrenden der Gegenwart. Mit seinem Tod haben wir einen achtsamen Menschen verloren, aber uns bleibt die Praxis einer ökologisch orientierten Seinslehre, die uns hilft, unsere Verabredung mit dem Leben einzuhalten und unsere Integration in das Universum als waches Wesen zu erfahren.

(Manfred Folkers)

Am 2. April 02022 ist der Film ‘A Cloud Never Dies‘ erschienen, der das Leben von Thich Nhat Hanh beschreibt. 


Ab 2. 5. 02022 (bis 12.9.) jeden Montag 18:00 - 19:00 Uhr (außer Finxt-Mo):

Qigong im Schlossgarten

Die vom Achtsamkeits-Verein organisierte öffentliche Übe-Stunde geht in die 29. Saison. Auf der Wiese hinter dem Tropenhaus (! die neue Brücke ist fertig !) werden unter wechselnder Anleitung (Doris Kirstein, Gerd Schnesche, Manfred Folkers) leicht erlernbare Qigong-Bewegungen praktiziert. Ein Einstieg ist jederzeit möglich (auch ohne Vorkenntnisse). Spenden werden von den Anleitenden an gemeinnützige Organisationen weitergeleitet.


Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Sonntag, 10. Juli 02022

Meditative Watt-Wanderung nach Minsener Oog

Zum 20. Mal (seit 02003) wandern wir gemeinsam von Schillig aus durchs Watt zur Insel Minsener Oog - auch diesmal wieder mit der Wattführerin Christiane Ketzenberg. Wir fahren ca. 11:45 Uhr ab Oldenburg und sind spätestens um 18.00 Uhr zurück. Anmeldung (bis 6.7.) und Infos (Fahrgemeinschaften usw.) bei Manfred (manfred-sagt-moinmoin@t-online.de).


Sonntag, 19. Juni 02022:

Geh-Meditation am Haaren-Sperrwerk

Bild:  ©Theo Stenert
Bild: ©Theo Stenert

Geh-Meditation ist schweigendes Gehen in der freier Natur. Langsam ausgeführte Schritte erleichtern es, die eigene Atmung wahr zu nehmen. Diese Achtsamkeit ermöglicht ein ruhiges und konzentriertes Genießen der Umgebung und der Gemeinschaft. Der Damm des Haaren-Sperrwerks ist für dieses Vorhaben sehr gut geeignet, denn auf ihm gibt es einen festen und trockenen Weg, der vom Stausee zunächst in einen Wald und anschließend in die ‘offene Weite‘ eines Wiesenbereichs führt. Zwei kleine Steh-Meditationen während der gut 60-minütigen ‘Wanderung‘ werden helfen, die Stille dieses Ortes noch intensiver zu ‘hören‘.

Treffpunkt: Vor 15.00 Uhr am kleinen Parkplatz an der Straße vom Woldsee zur Woldlinie (Straße nach Petersfehn). Von dort geht's dann zu Fuß 150 m stromaufwärts zum Haaren-Sperrwerk. Eine Anreise per Fahrrad wird empfohlen. Wer mag, kann sich für eine gemeinsame Radanfahrt bis 14.00 Uhr am Umwelthaus (Rückseite PFL) einfinden. - Eine Voranmeldung ist erwünscht (www.achtsamkeit-in-ol.de; dort auch weitere Hinweise), aber nicht erforderlich. Bitte rechtzeitig kommen. Bei Regen Schirm mitbringen. Die Teilnahme ist kostenfrei; Spenden sind möglich.


Mittwoch, 22. Juni 02022; Umwelthaus Oldenburg; 19.30 Uhr:

Einführung in die Meditation

 

Die Mitglieder des Vereins ‘Achtsamkeit in Oldenburg‘ laden alle Interessierte ein, ihre Meditations-Praxis kennenzulernen. Nach einer kurzen Anleitung wird stilles Sitzen (Zazen) und langsames Gehen (Kinhin) geübt und anschließend besprochen. Kissen und Stühle sind vorhanden. Eine Anmeldung ist erforderlich (www.achtsamkeit-in-ol.de). Im Umwelthaus gilt die 3-G-Regel (tagesaktueller Schnell-Test für Ungeimpfte). Digitale Teilnahme (ZOOM) ist möglich (Zugangsdaten c/o Netzseite). Die Teilnahme ist kostenfrei; Spenden sind möglich.

 


Sonnabend, den 25. Juni 2022 von 11 - 17 Uhr

Markt der Völker

Dieser 25. Markt der Völker war im Herbst 2020 wie immer im PFL geplant und sollte der Letzte dieser Art sein. Damals musste er ausfallen - nun findet der 25. und letzte „Markt der Völker“ am Sonnabend, den 25. Juni 2022 von 11 - 17 Uhr auf dem Schlossplatz im Rahmen der Jubiläumsfeiern „25 Jahre Ökumenisches Zentrum Oldenburg - ÖZO“ und „25 Jahre Weltladen Oldenburg“ statt.


Retreats in Plum Village (bei Bergerac, Südfrankreich) mit den Mönchen und Nonnen:

Es werden zwei große "In-Person-Retreats" stattfinden:

1.-22.6.02022: 21-Tage-Retreat - Feier 40 Jahre Plum Village

1.-29.7.02022: Internationales Sommer-Retreat


Freitag 15. Juli 02022 - 14.00 Uhr bis ca. 17.30

Colloquium zum Thema "Was ist Geist?"

Am Freitag 15. 7. 02022 findet im Rahmen des Studienprogramms der Deutschen Buddhistischen Union (DBU) von 14.00 Uhr bis ca. 17.30 Uhr ein Colloquium zum Thema ‘Was ist Geist?‘ statt. Neben Prof. Dr. Thomas Metzinger und Prof. Dr. Klaus-Dieter Mathes wird auch Tatsudo Nicole Baden Roshi (Lehrnachfolgerin von Zentatsu Richard Baker Roshi; studierte an der Uni Oldenburg u.a. bei Prof. Dr. Peter Gottwald) einen Vortrag halten. Ab 16.30 Uhr wird Prof. Gert Scobel eine Podiumsdiskussion moderieren. Infos: buddhismus-deutschland.de/studienprogramm; Ticket Online-Teilnahme: www.eventbrite.de


Drei Besprechungen aktueller Bücher (Manfred Folkers)

Sylvain Tesson:  Der Schneeleopard

Wer dieses Buch liest, sollte sich eine Daunenjacke anziehen oder eine Wärmflasche zur Brust nehmen. Denn es ist Winter in Tibet und kalt im Biwak, in dem vier Personen auf den Schneeleoparden warten. Ein großes Tier, das sich vor den Menschen versteckt, um so zu tun, als sei es ausgestorben.

 

Als der Schriftsteller und Reisende Sylvain Tesson vom Tierfotografen Vincent Munier eingeladen wird, an einer Expedition ins tibetische Hochland teilzunehmen und einen Bericht darüber zu verfassen, sagt er sofort zu. Seine poetisch-einfühlsame Sprache entführt die Lesenden nicht nur in eine karge Landschaft voller Felsen, Schnee und Himmelsnähe, sondern auch in eine Stille, die nötig ist, um ein scheues Wesen zu entdecken, das sich auf einem Rückzug zu befinden scheint. Mit klaren Worten, die sich auch dem Kennenlernen der Mitreisenden und den Beziehungen in der Gruppe widmen, entzaubert Sylvain Tesson einige überhöhte Tibet-Vorstellungen auf eine bezaubernde Art und Weise, um fast nebenbei mit kurzen prägnanten Hinweisen zum „perfekten Gegenmittel wider den zeitgenössischen Wahnsinn“ (Klappentext) zu werden. Mit diesen Spitzen hat er den Zeitgeist getroffen, denn sein Reisebericht war 2019 das meistverkaufte Buch in Frankreich.

 

„Der Schneeleopard“ ist zwar kein buddhistisches Buch, aber mit seiner präzisen Sprache und seiner Konzentration auf das gegenwärtige Geschehen lässt Sylvain Tesson in den Lesenden nicht nur das Gefühl entstehen, an einem Abenteuer teilzunehmen, sondern auch in Kontakt zu sein mit der lehrenden Leere der Natur ... die kaum bewohnte Hochebene zwischen Golmud und Lhasa zu überqueren, versteckt in einer offenen Weite zu liegen, stundenlang bewegungslos mit dem Feldstecher die Ferne abzusuchen, fast selbst wie ein Leopard ein großartiges Land zu durchstreifen. Tesson beschreibt ein faszinierendes und ehrliches Erlebnis auf dieser unserer Erde, in deren Biosphäre derzeit alles Wilde und Natürliche zerstört wird.

 

Tim Jackson: Wie wollen wir leben?

Wege aus dem Wachstumswahn

Als Professor für nachhaltige Entwicklung an der Universität Surrey (GB) erforscht Tim Jackson seit über 30 Jahren die moralischen, wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen von Wohlstand auf einem endlichen Planeten. Sein 2011 erschienenes Buch ‘Wohlstand ohne Wachstum‘ gilt als Standardwerk einer fundierten Kritik an der gegenwärtigen Lebens- und Wirtschaftsweise.

Auch sein neues Buch ‘Wie wollen wir leben‘ ist eine Einladung, darüber nachzudenken, was das Leben lebenswert macht. Jackson benutzt den Begriff ‘Postwachstum‘, um deutlich zu machen, „dass der Kapitalismus selbst bloß eine zeitbedingte Erscheinung ist, ein sich nur mit Mühe am Leben erhaltender Rest alter Daseinsformen; nicht die eine unverrückbare, unveränderbare Wahrheit, die zu sein er sich anmaßt“.

Thematisch breit aufgestellt arbeitet Jackson direkt auf einige Einsichten des Buddha hin. Auf dem Hintergrund der Lebensgeschichten von Robert Kennedy und Thich Nhat Hanh stellt Jackson fest:  „Der Punkt ist, dass uns die Gegenüberstellung von Kapitalismus und Buddhismus einen starken und faszinierenden Kontrast liefert. Ausgehend von einer gemeinsamen Position - dass Leiden ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist - entwickeln sich beide … in komplett gegensätzliche Richtungen und kommen zu radikal unterschiedlichen Schlussfolgerungen". Eine davon bringt er auf den Punkt: „Der Buddhismus lehnt dieses (kapitalistische) Weltbild nicht nur als unmoralisch ab, sondern auch als unklug“.

Es ist bemerkenswert, wie immer wieder nicht-buddhistische Koryphäen auf die Lehre des Buddha stoßen, wenn sie zentrale Sachverhalte tiefgründig erläutern möchten. Erinnert sei an den Ökonom Ernst Friedrich Schumacher (‘Small is beautiful‘) und den Soziologen Erich Fromm (‘Haben oder Sein‘).

Die in Jacksons Buch beschriebenen ökonomischen Weisheiten lesen sich wie Poesie. Es wird deutlich, was uns erwartet, wenn unsere Lebensweise nicht mehr von Mehrung und Unzufriedenheit, sondern von einem guten Leben bestimmt wird, das uns nicht die Erde kostet.

Jason Hickel: Weniger ist mehr

Warum der Kapitalismus den Planeten zerstört & wir ohne Wachstum glücklicher sind

Der buddhistische Begriff ‘Vipassana‘ wird häufig mit den Worten ‘genau hinschauen‘ erläutert. Dieses Vorgehen hat Jason Hickel in seinem kürzlich auf Deutsch erschienenen Buch ‘Weniger ist mehr‘ angewendet. Ohne die Silbe ‘buddh‘ zu benutzen hat er dabei Einsichten entwickelt, die die Essenz des Dharma ausdrücken. So stößt er auf “eine Ontologie des Inter-Being, der wechselseitigen Verbundenheit alles Seins“ (Seite 81) und stellt fest: „Nichts existiert für sich allein. Individualität ist eine Illusion. Das Leben auf diesem Planeten ist ein verwobenes Geflecht aus Werden mit Anderen“ (Seite 313).

Jason Hickel lebt in London und ist Wirtschaftsanthropologe und Berater für den Green New Deal for Europe. Er rechnet mit dem Kapitalismus ab, ohne die Alternativen im Kommunismus oder im radikalen Verzicht zu suchen. Auf dem Hintergrund einer äußerst interessanten historischen Analyse entwickelt er konkrete Schritte für eine Transformation hin zu einer Wirtschaft, die zum Wohle aller agiert und unsere Lebensgrundlagen bewahrt.

Hickel empfiehlt eine Art ‘Notbremse‘, denn ein „Ende der geplanten Obsoleszenz, die Deckelung des Ressourcenverbrauchs, die Verkürzung der Arbeitswoche, die Verringerung der Ungleichheit und die Ausweitung der Gemeingüter … verändern die tieferliegende Logik des Kapitalismus von Grund auf“. Auf dem Hintergrund der ‘Macht der Demokratie‘ beschreibt er eine Wirtschaftsweise, die er ‘stationär‘ nennt und die „zwei wesentlichen Prinzipien folgt, um im Gleichgewicht mit der lebendigen Welt zu bleiben: 1. Entnimm nie mehr, als die Ökosysteme regenerieren können. 2. Erzeuge nie mehr Abfall oder Verschmutzung, als die Ökosysteme sicher absorbieren können“.

Im abschließenden Kapitel ‘Alles ist verbunden‘ entwirft Hickel ‘eine zweite wissenschaftliche Revolution‘ und eine ‘postkapitalistische Ethik‘. Eine fruchtbare Lektüre für alle Menschen, die sich für eine gesellschaftliche Transformation einsetzen möchten.


Erich Mühsam (01878 - 01934)

Lebensregel

An allen Früchten unbedenklich lecken;

vor Gott und Teufel nie die Waffen strecken;

Künftiges missachten, Früheres nicht bereuen;

den Augenblick nicht deuten und nicht scheuen;

dem Leben zuschaun; anderer Glück nicht neiden;

stets Spielkind sein, neugierig noch im Leiden;

am eigenen Schicksal unbeteiligt sein -

das heißt genießen und geheiligt sein.


Retreat mit Manfred Folkers im EIAB (Waldbröl); 15.-18.9.02022

Achtsame Transformation - Wege in eine Kultur des Genug

Angesichts wachsender Krisen wird immer öfter eine große Transformation angemahnt. Aber in welche Richtung soll sich dieser Wandel entwickeln?

Mit Orientierungen wie Zufriedenheit, Verbundenheit, Achtsamkeit und Mitgefühl wollen wir gemeinsam Wege in eine Kultur des Genug erarbeiten. Eine zentrale Rolle wird der von Thich Nhat Hanh beschriebene Zustand „Samtusta“ bilden: „You have enough - Du hast genug“. Auf diese Weise werden wir uns einem Leitgedanken seiner Sangha nähern: „Je mehr Du die Erde liebst, desto weniger möchtest Du nehmen, was Du nicht brauchst“.

 

Das Programm: Impuls-Vorträge, Austausch, Schweigezeiten, Qigong-Übungen, Erdberührungen und Geh-Meditationen.

 

Kurs-Nr. K2237-2; Infos: www.eiab.eu

 


Retreat mit den Mönchen und Nonnen des EIAB; 1.-6.8.02022

Zuversicht in widrigen Zeiten - Deutschsprachiges Sommer-Retreat

Kurs-Nr. K2231-1; Infos: www.eiab.eu


Mit den Mönchen und Nonnen des EIAB; 7.8.02022:

Tag der Achtsamkeit;

 

Kurs-Nr. K2231-2; Infos: www.eiab.eu


All we need is less

Corona, Buddha und andere Motive für eine Kultur des Genug

Noch wehren sich viele Menschen gegen die unbequeme Wahrheit, dass unsere Zivilisation auf einen Abgrund zusteuert. Die Corona-Pandemie ist nur ein Vorgeschmack, denn größere Krisen wie der Klimawandel und das Artensterben rücken näher. Sie entstehen aus dem zentralen Widerspruch unserer Zeit - dem Wachstumswahn auf einem endlichen Planeten. Dieses Dilemma lässt sich nur überwinden, wenn dessen Ursachen identifiziert worden sind.

 

Klar ist: Es waren Menschen, die diese Gesellschaftsform aufgebaut und mit ihren Motiven und Handlungen gestaltet haben. Es ist ihr „mehr haben wollen“, das sich zu einer Wachstumsdoktrin verfestigt hat. Es ist ihr gemeinsames und gleichzeitig trennendes Streben nach „mehr als andere haben wollen“, das sich nun als Wettbewerbs- und Konkurrenzdruck zeigt. Und von den ökologisch und sozial schädlichen Folgen dieses Vorgehens lenken sie sich mit der Befürchtung ab, ein Abweichen von diesen Wegen und Prinzipien sei erst recht katastrophal.

 

Vom Wachstumssystem ist keine Umorientierung zu erwarten, denn es sieht sich ohne Alternative. Diese Wirtschaftsform kann sich eine Ökonomie ohne Expansion und Konsumsteigerungen nicht einmal vorstellen. Bei ihrer Jagd nach Profit und Marktmacht ignoriert sie alle Warnungen und planetaren Grenzen. Ihr ist nie etwas genug. Statt Befriedigung zu finden sucht sie ständig nach Lücken und neuen Geschäftsfeldern oder wirbt für neue Wünsche und Trends.

 

Auswege aus dieser Sackgasse können deshalb nur von den einzelnen Menschen gefunden und beschritten werden. Als Teil des Problems sind sie auch Teil der Lösung. Solange sie den ökologischen Fußabdruck übertreten, sind sie kleine Motoren eines unheilsamen Prozesses. Sobald sie ihr Handeln an einer enkeltauglichen Zukunft ausrichten, arbeiten sie für eine heilsame Perspektive.

 

Die Corona-Krise weist auf die größte Hürde dieses Wandels hin. Die meisten Menschen sind zwar zu kurzfristigen Einschränkungen bereit, wenn sie danach zu den alten Gewohnheiten zurückkehren dürfen. Ein nachhaltiger Umschwung benötigt jedoch ihren festen Willen, die bisher ins Mehrungswesen gesteckte Kraft dauerhaft für eine Transformation einzusetzen. Im Idealfall sollte niemand zu einem Richtungswechsel gezwungen werden, sondern möglichst alle sollten diese Wende aus Überzeugung anstreben oder aus vollem Herzen wünschen.

 

Neue Motive braucht das Land, braucht die Wirtschaft, braucht jeder Mensch. Um sich vom Drang nach Mehrung zu befreien, bieten Ziele wie „genug ist genug“ und „all we need is less“ quantitativ überprüfbare Beweggründe an. Diese von Behutsamkeit durchdrungene Motivation ist flexibel und verhandelbar. Ihre Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, weil die Erde groß, die Menschheit bunt und das „zu viel“ extrem ungleich verteilt ist.

Schwieriger auszutarieren ist der Inhalt der Motive für eine Kultur des Genug, da sie auf individuellen Erfahrungen, Einsichten und Entscheidungen beruhen. Wer sich freiwillig, überzeugt und rechtzeitig für eine soziale und ökologische Wende engagieren möchte, sollte allerdings offen sein für Anregungen aller Art.

 

Interessant und hilfreich sind zum Beispiel einige Überlegungen des Buddha, der vor 2.500 Jahren mit „Gier, Aggression und Verblendung“ ausgerechnet jene Antriebskräfte als Ursachen von menschlichem Leid identifiziert hat, die sich heutzutage als Wachstumsprinzip, Konkurrenzdenken und Folgenleugnung zu einer Art „Gier-Wirtschaft“ gemausert haben. Außerdem hat der Buddha einige einfache Praktiken für eine ausgewogene Lebensgestaltung vorgeschlagen.

 

Mit der Meditation empfiehlt er eine Übung, sich ganz und in Ruhe bewusst der Gegenwart zuzuwenden, um das Dasein als ständige Bewegung und die eigene Anwesenheit als existenzielle Verbundenheit mit dem Universum zu erleben. Wer sich derart willkommen weiß in dieser Welt, wird verantwortlich handeln und ohne Verzichtsgefühle einen - schon vom Buddha empfohlenen - „Mittleren Weg“ beherzigen, weil von einer grundsätzlichen Zufriedenheit aus gesehen „weniger“ eigentlich nur bedeutet: „anders“. Mit dieser Einstellung lässt sich auch in begüterten Regionen ein maßvolles Handeln verwirklichen, das sowohl Armut und Hunger als auch Überfluss und Verschwendung vermeidet.

 

Während der Corona-Krise lässt sich beobachten, welche Maßnahmen nötig und möglich sind, um das Leben von Menschen zu retten, die nah und sichtbar sind. Diese Anteilnahme wird durch die buddhistische „Liebende-Güte-Meditation“ auf alle lebenden und die noch nicht geborenen Wesen ausgedehnt, ohne auf Dürren, Fluten, Missernten, Epidemien und ähnliche Katastrophen zu warten. Dieses umfassende Mitgefühl führt nicht nur zu einem Protest gegen die Zerstörung der Mitwelt, sondern auch zu einer Aufforderung an die Politik, neben dem ganzen (Alltags-) Leben immer auch das Leben als Ganzes im Blick zu behalten, also global und enkeltauglich zu denken und lokal zu handeln.

 

Auf dieser Grundlage lässt sich eine Postwachstums-Gesellschaft aufbauen, in der soziale Absicherung, Gesundheit, Bildung, Kultur usw. nicht mehr vom Mehrungswesen abhängig sind. Mit diesem Konzept entsteht eine Lebensweise, die von Nähe und Fürsorge bestimmt wird und sich durch Teilen und Teilhabe, Haltbarkeit und Reparieren, Recycling und Naturschutz, Genügsamkeit und Grundsicherung, Gemeinwohl und Genossenschaften usw. auszeichnet.

 

Zentrale Kraftquelle für die kreative Überwindung des Wachstumswahns auf unserem endlichen Planeten und für die Gestaltung einer Kultur des Genug ist jedoch ein Ziel, das der Buddha dem Leben gab und ihm den Ehrentitel „der Erwachte“ einbrachte: „Wake up - wach auf!“, meinte er. „Schau Dir die Welt hier und jetzt unvoreingenommen und achtsam an. Und engagiere Dich.“

 

Beitrag von Manfred Folkers für einen Podcast des oekom-Verlags

zum Buch:

 

„All you need is less" Manfred Folkers / Niko Paech

Die Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

(oekom verlag; 240 Seiten; 20 €; ISBN: 978-3-96238-058-8; März 02020)

„Achtsamkeit und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Sie sind die zentralen Pfeiler der modernen-Suffizienz-Bewegung, aber auch der Lehre des Buddha. Die Autoren loten aus, welche Potenziale diese Konzepte enthalten, um den Wachstumspfad zu verlassen und eine Kultur des Genug zu entwickeln.


„Achtsamkeit in Oldenburg e.V.“ ist ein gemeinnütziger Verein. Spenden (steuerabzugsfähig) sind möglich auf das Konto der Oldenburgischen Landesbank DE19 2802 0050 1223 3540 00 (IBAN), OLBO DE H2XXX (BIC).  Herzlichen Dank. 


Download
Program 2. Quartal Achtsamkeit-in-OL 2022
Hier können Sie das Programm herunterladen.
Gelbinfo Mai bis Aug 22.pdf
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